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Werbung- harmlos oder Manipulation?

| 18.03.2015Kommentare deaktiviert Interessantes

Sie begegnet uns jeden Tag. Sie ist an jeder Ecke. Wenn wir aus dem Haus gehen, oder selbst wenn wir im Haus das Radio oder den Fernseher einschalten- Werbung! Heutzutage ist Werbung ein Teil unseres Lebens. Sie ist nicht mehr wegzudenken. Doch wann ist etwas Werbung und wann nicht? Und warum können wir uns nicht aussuchen, dass wir nur Werbung bekommen, die uns interessiert?

Als Werbung gilt allgemein jede Art von sozialer Interaktion, bei der versucht wird, sich selbst, eine andere Person oder ein Produkt besonders positiv dastehen zu lassen. Das heißt, dass selbst schon ein einfacher Flirt eine Art der Werbung ist. Beim Flirten überlegen wir uns vorher, was wir sagen, damit der andere uns anziehend findet. Nach demselben Prinzip wird auch bei größeren und öffentlichen Werbeaktionen verfahren. Somit werden Unmengen an Geld in die Entwicklung von Werbung gesteckt, die uns besonders ansprechen soll. Die Entwickler der Werbung machen sich verschiedenste Erkenntnisse von Verhaltenswissenschaften (Psychologie, Soziologie, Neurologie etc.) zu Nutze, um die Verbraucher möglichst gut von dem Produkt zu überzeugen. Uns wird eingeredet, dass wir das Produkt brauchen, obwohl es nicht so ist. Und diese Taktik hat oft Erfolg.

Doch warum können wir uns nicht aussuchen, welche Werbung wir sehen wollen und welche nicht? Genau diese Frage stellte sich auch Georgi Musev. Seiner Meinung nach sollte dies nämlich der Fall sein. Also entschloss er sich, die GmbH Human Credit zu gründen. Der Nutzer gibt freiwillig Informationen von sich an Human Credit und bekommt somit nur Werbung angezeigt, die ihn interessiert. Außerdem bekommt der Nutzer für freigegebene Informationen Credits, mit denen er dann über die Seite Hilfsorganisationen unterstützen kann. Dieses Projekt hilft also nicht nur einem selber, sondern es ist auch für andere nützlich. Der Nutzer bekommt nur für ihn relevante Werbung, der Werber ist froh über die Informationen und die Spenden kommen den Hilfsorganisationen und deren Zielgruppen zugute. Sozusagen eine Win-Win Situation.

Doch diese Möglichkeiten gibt es bisher nur im Internet, nicht beim Fernsehen oder auf der Straße. Also machen wir uns das nächste Mal, wenn wir Werbung sehen, genau darüber Gedanken, was deren Zweck  ist und ob wir uns wirklich in unseren Entscheidungen davon beeinflussen lassen wollen.

Wahrheit und Unverständnis

| 16.03.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum sind wir? Und welche von den vielen Antworten darauf ist überhaupt wahr? Was ist schon Wahrheit? Und was Lüge? Wir Menschen können nur Fragen stellen, Antworten geben andere. Es gibt keine Wahrheit, zumindest nicht für uns. Der Mensch in seiner Kleinheit, ja Kleinlichkeit dem Universum gegenüber wird die Komplexität des Selbigen niemals verstehen. Und doch nehmen wir uns heraus, Ereignisse, Behauptungen als wahr oder unwahr zu bezeichnen. Mit welchem Recht? Wir wissen um unser Nichtwissen, deshalb ist alles, was wir trotz dieser Sicherheit behaupten und als wahr betiteln, schlicht und einfach Betrug. Eine große Wahrheit muss es geben, denn irgendetwas ist immer wahr, selbst wenn nichts existiert, ist der Fakt, dass nichts existiert, immer noch wahr. Nur können wir diese große Wahrheit nicht begreifen. Darum verstricken wir uns in Lügen, die uns von durchaus unterschiedlichen Interessensgruppen als Wahrheiten vorgegeben werden. Jedes Weltbild baut auf einer Philosophie auf. Die Philosophie unseres Weltbildes lautet, das 1+1=2 ergibt. Doch diese von uns akzeptierte  Wahrheit ist schlichtweg eine Behauptung. Wenn diese nun falsch ist, dann ist alles, was darauf aufbaut ein einziger Fehler. Hätte man irgendwann einmal  festgelegt, dass Rot nicht Rot ist, sondern Blau, unser Weltbild wäre gewiss ein anderes. Wir glauben, was wir wahrnehmen, wir vertrauen auf unsere Sinne, doch gerade die sind fehlerhaft. Auf dieser Erde ist nichts perfekt, am wenigsten der Mensch. Die tatsächliche Wahrheit, die hinter allem steckt, kann nicht fehlerhaft sein, denn dann würde das System zusammenbrechen. Deshalb kann ein Mensch mit fehlerhaften Sinneswahrnehmungen und keiner anderen Möglichkeit zur Wahrheitsfindung niemals die vollständige Wahrheit entdecken. Und eine unvollständige Wahrheit ist genauso falsch wie eine Lüge.

Religion und Konsum- Versuch einer ethnologischen Annäherung

| 15.03.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Kreatives Schreiben

Ethnologie, wörtlich übersetzt auch die Lehre des fremden Volkes, beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten der verschiedenen Kulturen. Hierbei ist dieses Thema in mehrere Unterthemen aufgeteilt. Ein Thema, was mich sehr interessiert, ist die Religion. Ich versuche nun einmal, die Einstellungen dazu vor meinem persönlichen Erfahrungshintergrund kontinentübergreifend zu vergleichen.

In Ägypten zum Beispiel ist längst nicht mehr die Religion des alten Ägyptens, der Glaube an Isis und Osiris etc. wichtig, sondern nur der Konsum davon. Dies kurbelt natürlich die Ökonomie des Landes an, aber ist es wirklich noch Religion, wenn man zwar religiöse Sachen kauft, aber die Mehrheit im 21. Jahrhunderts eigentlich gar nicht mehr an ihren Zweck glaubt? Auch verlieren diese religiösen Dinge durch diesen Massenkonsum sowohl ihren ideellen als auch ihren materiellen Wert. Direkt gefragt: Wozu noch Religion, wenn kaum jemand daran glaubt? Wem nützt sie wirklich?

In Deutschland sieht es so aus: Man kann sich in jedem Accessoires-Laden eine Kette mit einem Kreuz kaufen. Das hat ebenfalls nichts mehr mit dem eigentlichen Symbol für die christliche Religion zu tun. Es ist nur noch ein Schmuckstück. Eigentlich schade, dass diese religiösen Symbole verallgemeinert werden und nicht mehr nur von denjenigen getragen werden, die wirklich an diese Religion glauben. Besonders wenn man bedenkt, wie viele Leute schon für ihre Religion gestorben sind und es jetzt einfach in jedem Ramschladen erhältlich ist. Warum wurden ausgerechnet diese Symbole als Mainstream ausgesucht?
Eine mögliche Antwort ist, dass die Menschen dieses Kulturkreises mit diesen Symbolen traditionell eine tiefe Verbundenheit verspüren und sie somit bereit sind, diese Gegenstände zu erwerben. Dies wird vom Handel schamlos ausgenutzt.

Doch nicht nur im arabischen und europäischen Raum scheint die Religion mehr konsumiert als praktiziert zu werden, auch in Japan schreitet der Konsum dem Glauben voraus. Ich selbst durfte mich davon überzeugen, als ich in Japan war. An jedem Tempel wurden massenweise kleine Glücksbringer teuer angeboten. Der Glaube scheint auch in diesem technisch fortgeschrittenen Land nicht mehr der Grund zum Kauf der Glücksbringer zu sein. Vielmehr geht es darum, den Anschein zu geben an etwas zu glauben. Aber warum steht man nicht zu seiner religiösen Einstellung oder bildet sich seine eigene Meinung bzw. Theorie von dem, woran man glauben möchte? Stattdessen läuft man den Mainstreammedien nach und schafft es so, etwas Historisches, Religiöses  zu verkitschen und unwichtig zu machen.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Religion für die Menschen heutzutage nicht glaubhaft genug ist. Die Wissenschaft erzielt beachtliche Fortschritte und kann ihre Ergebnisse auch beweisen. Diese Beweise fehlen in der Religion. Obwohl man also nicht an die Glücksbringer glaubt, kauft man sie trotzdem aus der gewohnten Tradition heraus.

Dresden – 70 Jahre danach

| 12.03.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Wir waren in Dresden, meine Freundinnen und ich. Die Stadt ist von Touristen überlaufen, und auch wir wanderten durch die Altstadt und schauten uns die Sehenswürdigkeiten an. Gekommen waren wir aber wegen des Panometers von Yadegar Asisi:

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 warfen 773 britische Bomber erst Sprengbomben ab, die Dächer und Häuser zerstörten. Später folgten Brandbomben, die durch den ersten Angriff eine bessere Wirkung hatten. Ob der Angriff noch notwendig und militärisch gerechtifertigt war, ist umstritten. Fakt ist, bei dem Angriff kamen fast 25.000 Zivilpersonen um, Menschen, die nicht aktiv am Krieg beteiligt waren.

70 Jahre ist es nun her und die Stadt ist wieder aufgebaut. Die Frauenkirche wurde 2005, 60 Jahre nach ihrer Zerstörung, mit Spenden aus aller Welt wieder aufgebaut. Auch die Semperoper und das Schloss waren beschädigt. Wer heute sehen möchte, wie es in jener Kriegsnacht aussah, kann dies in der Ausstellung von Yadegar Asisi tun. Es ist eine 27 Meter hohe und 107 Meter lange 360° Animation, auf die man von einer 16 Meter hohen Platform blicken kann. Lichteffekte und Ton unterstützen die düstere Stimmung des Bildes der Verwüstung. Zu sehen sind brennende Häuser, Kirchen, Gebäude… Überal liegt Schutt und Asche und es steigen Rauchwolken auf. Bei genauerem Betrachten sieht man Menschen über die Trümmer klettern. Durchs Bild fliegen zwei bunte Papagein, vielleicht um zu zeigen, dass es Hoffnung gibt?

Yadegar Asisi hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass es Hoffung gibt, denn dadurch dass die Leute sich das Panorama ansehen und darüber ins Gespräch kommen, bleiben die Folgen des Krieges im Bewusstsein der Leute und sind so schwerer zu ignorieren.

Weltbürger mit Migrationshintergrund

| 11.03.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Gruppen und Gesellschaften können als Ethnien bezeichnet werden. Da habe ich mich gefragt, ob auch in Berlin verschiedene Ethnien leben. Und das ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Viele Menschen sind eingewandert  aus anderen Ländern, aber manchmal kommen einem Menschen aus Bayern oder Schwaben, die nach Berlin gezogen sind, auch schon vor wie aus einer anderen Welt. Und was verbindet all diese Menschen? Sie leben in Berlin.
Sind die Berliner eine ethnische Gruppe?  Wo fängt ein Berliner an und wo hört ein Berliner auf? Muss man in Berlin wohnen um Berliner zu sein? Oder reicht es, wenn man in Stahnsdorf wohnt und fünf  Tage die Woche in Berlin ist ? Wann wird man Berliner ? Ein Jahr, drei Jahre, fünf Jahre in Berlin wohnen ? Und sind Wahlberliner genau soviel wert wie welche, die hier geboren wurden?

Wenn jemand in Berlin wohnen möchte und sich an diese Gruppe einpasst, dann kann er ein Berliner sein. Und sich anpassen in Berlin sollte kein Problem sein. Du kannst dich den Kreuzberger Öko-Hipstern anschließen, den Junkies in der Hasenheide oder den Jungunternehmern. Entweder du wohnst in einer Villa im Grunewald oder in einer Bruchbude in Marzahn. Der amerikanische Traum lässt sich in Berlin fast noch besser leben. Die Möglichkeiten stehen einem offen. Jeder (na gut, fast jeder) hat die gleichen Chancen. Mit harter Arbeit und einem Ziel vor Augen kannst du es auch erreichen. Und selbst wenn du kein Ziel vor Augen hast, dann kannst du hart arbeiten an dir selbst und vielleicht findest du ja dann ein Ziel. Du kannst selbstgestrickte Socken im Internet verkaufen oder wie Klaus Zapf ein Umzugsimperium gründen.

Wer nimmt sich das Recht, manche aus dieser Gesellschaft auszuschließen? Manchen diese Möglichkeiten zu verwehren? Warum dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten und sich integrieren? Weil sie uns dann die Arbeitsplätze wegnehmen, lautet das allgemeine Echo. Fakt ist doch, dass der Bessere den Job zum Beispiel in einer Firma bekommt. Wenn ein Immigrant nun einmal eine besser Leistung zeigt  und so den Arbeitsplatz bekommt, dann ist das nur gerecht. Jeder sollte die Möglichkeit zu seinem “Berliner Traum” bekommen.

Doch was unterscheidet den Berliner vom Frankfurter, vom Istanbuler oder Washingtoner ? Er lebt in einer anderen Stadt, und das allein reicht oft schon, um einen Menschen zu kategorisieren und in eine Schublade zu stecken. Sind wir nicht alle bloß Weltbürger mit Migrationshintergrund?

Die Hoffnung stirbt zuletzt

| 01.03.20151 Kommentar » Klasse

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen unter der Diktatur Hitlers unterdrückt, aber einige unterwarfen sich auch Hitlers Regime. Die Menschen wurden überwacht, bespitzelt, getäuscht, verraten und manipuliert.

Fast genauso ist es auch in Goerge Orwells fiktionalem, dystopischen Roman „1984“. Hier werden Menschen unter der Diktatur der Partei unterdrückt, aber viele unterwerfen sich auch dem „großen Bruder“. Die Menschen werden überwacht/bespitzelt, getäuscht, verraten und manipuliert.Man erkennt also schon deutliche Gemeinsamkeiten.

Einen „dystopischen“ Roman zu schreiben, dass heißt, sich eine schlimme, vielleicht auch grausame Zukunft auszumalen. In „1984“ geht es hauptsächlich um die Unterdrückung und Unterwerfung von Menschen gegen Menschen und auch um die totale Überwachung, in der nicht mal die eigenen Gedanken einem selber gehören. Rund um die Uhr wird man überwacht und der Staat oder „die Gedankenpolizei“ weiß alles über jeden. Aber ist diese Dystopie von George Orwell nicht schon längst Realität geworden?

Wie brauchen gar keinen Teleschirm, der uns aufgezwungen wird. Das übernehmen Computer und  Handys. Sie sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Wenn man sich nur mal in der U-Bahn umguckt, hat mindestens jeder zweite entweder Stöpsel im Ohr oder ein Handy oder irgendein anderes elektronisches Gerät in der Hand.Früher habe ich mich immer ein bisschen geärgert, wenn jemand neben mir eine riesige Zeitung aufgeschlagen hat, aber jetzt sieht man eigentlich nur noch Menschen mit E-books oder Ipads, auf denen sie die Zeitungsapp installiert haben.
Im Roman 1984 ist es so, dass der Teleschirm nicht nur informiert, und wie ein Fernseher funktioniert, sondern dass man selber dadurch gesehen wird. Und das unterscheidet sich eigentlich gar nicht mehr von der heutigen Zeit. Dadurch, dass wir ständig ein Handy um uns herum haben, geben wir viel mehr preis, als wir wollen und oder wissen. Eigentlich können alle Apps auf unsere Kontakte, Standorte und Fotos zugreifen. Facebook weiß, auf welchen Internetseiten man surft, um die Werbung auf jeden Einzelnen zu „spezialisieren“.
 Auch wenn unsere Handys einfach auf dem Tisch liegen und dabei an sind, kann gehört werden, was geredet wird. Natürlich wird immer gesagt, dass das nur ist, um alle Sachen auf uns abzustimmen. Aber dadurch kann eigentlich jeder abgehört werden und viele, wie ich denke, auch ohne ihr Wissen. Jedoch auch die, die es wissen (dazu muss man ja meistens nur die Nutzungsbedingungen lesen) machen hauptsächlich einfach so weiter. Uns muss gar nichts aufgezwungen werden, damit wir abgehört werden können. Viele von uns machen das ganz freiwilig!

Aber was bedeutet Freiheit, freiwillig und frei sein überhaupt? In 1984 gibt es die Parole: „Freiheit ist Sklaverei“. Ich denke, obwohl jeder Mensch eine ganz eigene Vorstellung von Freiheit hat, ist diese Parole keine davon. Viele Menschen wünschen sich einfach nur einen sicheren Platz, an dem sie erlaubt sind, das zu tun, was sie wollen und wo auf jeden Fall Frieden herrscht. Wir hier in Deutschland haben Glück, wir hören nur über die Dinge, die gerade in anderen Ländern passieren.

Aber Fakt ist : In der Welt herrscht Krieg. Wir wissen es alle, irgendwo, in einem weit entfernten Land, passieren gerade schreckliche Dinge. Wir sehen es zwei Abende hintereinander in der Tagesschau, denken:“Ohh, wie schrecklich“ und weiter geht’s zum Abendbrot.Es ist ja nicht in unserer Nähe und was geht uns fremdes Elend an. Vielleicht wird auch ein bisschen gespendet für die armen Kinder, die beim Krieg ihre Eltern verloren haben. Wir sagen immer, dass man helfen sollte, aber wenn dann ein Flüchtlingsheim in die Nachbarschaft gebaut werden soll, gibt es nur noch Beschwerden:„Das ist mir viel zu nah an dem Kindergarten meiner Tochter“ oder „Dann wird unsere Wohngegend sofort extrem gefährlich und schlecht“. Ich sag ja nicht, dass jeder Mensch so ist oder ich nicht so bin. Ich habe Vorurteile und auch wenn ich weiß, dass diese Vorurteile nicht stimmen oder auf jeden Fall nur auf eine ganz kleine Minderheit zutreffen, kann ich sie oft nicht abschalten. Aber ich denke auch, wenn man den Flüchtlingen immer nur mit Abgeneigtheit und Misstrauen gegenüber tritt, werden sie nie in die Gesellschaft integriert. Diese Flüchtlinge haben oft Dinge miterlebt, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können. Sie haben einen extrem langen und gefährlichen Weg hinter sich, um sich selber oder ihren Kindern eine bessere Zukunft zu gewähren und dann kommen sie zu uns nach Europa und müssen erstmal damit kämpfen, nicht auf der Stelle wieder abgeschoben zu werden.

Wir wollen uns alle immer für einen guten Menschen halten, aber wenn es drauf ankommt, kommt nichts.
Trotzdem ist es schöner zu denken, dass man eher für den Widerstand gekämpft hätte, als bei den Bösen mitgemacht. Aber niemand weiß, was wirklich passiert.
Vielleicht hätte man das, wenn man nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde, am besten bei dem Projekt in einer Kalifornischen Schule bemerken können.
Ein Geschichtslehrer wollte seinen Schülern einfach mal zeigen, wie so viele Menschen in so kurzer Zeit bei den Nazis mitmachen konnten. Diese Schüler hatten das Thema im Unterricht und wussten Bescheid, aber trotzdem haben fast alle bei der Organisation “The Wave” mitgemacht. Dieses Projekt hat nochmal gezeigt, dass das, was im Nationalsozialismus passiert ist, sich an einer Schule wiederholt hat. Da drängt sich dann sofort die Frage auf, ob sich das auch mit mehr Menschen und über mehrere Länder wiederholen kann.
In diesem Moment würde ich persönlich “Nein” sagen. Ich denke, dass genug Menschen aufgeklärt sind, was sich zum Beispiel durch die vielen Pegida-Gegendemonstranten zeigt.
 Aber andererseits wird es immer Menschen geben, die einen Hass auf eine bestimmte ethnische Gruppe haben und auch viele weitere davon überzeugen können. Man sollte diesen Menschen klar machen, dass wir alle gleich sind. Nicht von den Hautfarben oder Religionen, aber unser Skelett ist gleich, wir haben die gleichen Organe an der gleichen Stelle. Also warum versuchen einige Menschen immer wieder Kriege anzufangen oder Terroranschläge zu begehen? Wurde denn aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt? Was muss denn noch alles passieren, bis die Menschen aufhören sich zu bekriegen?
Muss sich echt so etwas wie der Holocaust erst wiederholen?

Alle Zeitzeugen, die wir bis jetzt getroffen haben, waren immer der gleichen Meinung, wenn es um zwei Dinge ging. Erstens: So etwas wie der Holocaust darf sich auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen nochmal wiederholen und Zweitens: Wir sind jetzt die Zukunft und wir müssen aufpassen, dass so etwas wie im Nationalsozialismus nicht noch einmal passiert. Sie geben es an uns weiter.

Und obwohl ich denke, dass diese Aufgabe sehr viel Verantwortung mit sich bringt, finde ich auch, dass wir das schaffen können. Und genau so ist es meine Meinung, dass George Orwell uns auch darauf aufmerksam machen wollte. In seinem Roman ist so viel Unrecht geschehen und es wurden so viele und vor allem schwerwiegende Lügen verbreitet, dass ich am liebsten manchmal einfach das Buch zugeschlagen hätte. An manchen Stellen wusste ich gar nicht mehr, was ich jetzt denken soll. Natürlich weiß ich, dass das alles nur fiktiv ist, aber alles was sich vorstellen lässt, ist irgendwann auch realisierbar. Ich kann nur hoffen, dass so etwas nie dazugehört. Sonst verliere ich den Glauben an die Menschheit, von der ich immer noch überzeugt bin, obwohl ich schon so oft eines Besseren belehrt wurde. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Filmriss

| 10.02.2015Kommentare deaktiviert Kreatives Schreiben

Weiße Wolken am traurigen Himmel. Schwarze Raben als Kontrast.
Ein Wimpernschlag später.

Irgenwo anders. Wer weiß schon wo.
Vielleicht am Meer, bei den Wellen und ihren bodenlosen Schwüngen.

Hinkende Schritte auf nassem Asphalt. Schreie der Verzweiflung durch unsere Kehlen.
Hand in Hand mit dem Schall der Gassen.
Geflohene Tapferkeit zwischen den Wächtern der Überwindung. Flüchtender Mut.
Wir spielen Ping Pong mit dem Boden unter unseren Füßen. Mit dem schlechten Gewissen, das an unseren Beinen hoch springt und versucht, nach ihnen zu schnappen. Fiese Gewissensbisse von unberechenbaren Hunden.

Nächster Sprung. Nächste Szene. Neue Kulisse. Riss im Tonband. Lücke im Satz. Loch im Wort. Buchstaben mit Abgrund. Lückenhafter Text. Wo bleibt der Übersetzer von Ausdrucksfehlern?
Die Welt dreht sich. Einmal rum. Dann in die andere Richtung. Verkehrt herum. Man könnte denken, die Erde ist eine Kugel.
Kopf im Nacken. Klang in der Stimme. Rhythmus im Blut. Der Geschmack von Tränen auf den Lippen.

Ein Moment später und das Gefühl ist vorüber. Ein ungefühlter Moment folgt. Ein Moment ohne Gefühl. Ohne Frage und Antwort. Ohne Licht und Dunkelheit. Eine Erinnerung bleibt.
Balancierend auf den Dächern der Stadt.
Feuer um uns. Aufflammende Wut. Hitzige Gespräche. Kribbelndes Flüsterrn auf der zarten Seide unserer Hülle.
Albernes Lachen als dauerhafter Hintergrund.

Der traurige Himmel versucht mitzuhalten. Bei all der Komik, der Ironie und des bunten Karnevals der Lügen.
Gezogen von den Wolken. Getrieben von der Zeit.
Was hält ihn zurück? Warum wirkt er so traurig und droht uns auf den Kopf zu fallen.
Und wenn der Himmel erstmal fällt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Wenn der Himmel fällt, hat er aufgegeben und ist nicht mehr zu retten.
Ein Gefangener im unbekannten Land. Ein Häftling in freien Räumen.

Dort, wo in Oswiecim einst die Synagoge stand

| 03.02.2015Kommentare deaktiviert Klasse, Projekte

Die Vorstellungskraft ist die Gabe sich etwas vorzustellen, was zum derzeitigen Zeitpunkt nicht real vor Augen existiert.
Um sich etwas bildlich vorstellen zu können, brauchen wir Fantasie, doch allein schon Wissen hilft dabei, uns etwas vor Augen zu führen. Uns im Kopf ein Bild von etwas zu machen. So etwas wie ein Kopfkino, ein Gedankentheater mit Bildern, die wir selber malen.
Bilder ohne Farbe. Bilder ohne Grund und Boden.
Ein Bild der Synagoge, die hier einmal stand. Stellen wir uns vor, hier, genau da, wo wir heute am 27. Januar 2015 stehen, stand vor mehr als 70 Jahren ein Mensch-vielleicht in unserem Alter, vielleicht genauso groß, vielleicht mit der gleichen Haarfarbe, der gleichen Augenfarbe. Vielleicht würden wir mit ihr oder ihm sogar Interessen teilen. Vielleicht würden wir uns mögen.
Dieser Mensch ist ein Jude. War er gläubig, hat er diese Synagoge vielleicht öfters besucht. Gebetet. In Gedanken vertieft, seinen Sorgen und Wünschen Sprache gegeben. Und wenn er sich trotz seines jüdischen Hintergrunds keiner Religion zugehörig fühlte, hat er vielleicht an diesem Ort in Schweigen versucht die Angst, die ihn ab nun stetig begleitete, zu akzeptieren. Die Reise, vor der er nicht mehr flüchten konnte.
Er ist zu dieser Reise gezwungen. Reise ist ein falsches Wort für das, was es ist. Eine öffentliche Entführung, amtlich verpackt. Auch das ist noch nett formuliert.
In dem Konzentrationslager Auschwitz starben mindestens 1,3 Millionen Menschen. Das ist die ganze Schule. Ganz Marienfelde. Ganz Berlin. So absurd und brutal, dass es schwer fällt, es sich wirklich vorzustellen. So viele Menschen. So viele Leben…

70 Jahre später stehen wir hier als Klassengemeinschaft. Wir müssen uns keine Sorgen um unsere Sicherheit und um die unserer Familie machen. Wir müssen nicht dieses Gefühl ertragen, nicht zu wissen, wohin es geht.
70 Jahre später stehen nun wir hier. Wie unser Freund aus der Vergangenheit an der Synagoge in den Bildern im Kopf. Am gleichen Ort, zu einer anderen Zeit. Denken wir zurück, setzten wir ein Denkmal in unserem Gedächtnis, setzten wir ein Zeichen für uns an diesem Ort, ganz für uns allein und doch alle zusammen. Genau hier. Vor nicht einmal hundert Jahren.
Es ist nur die Zeit, die uns vergessen lässt. Die Zeit, die Dinge verblassen lässt und wodurch sie harmloser wirken. Doch die Zeit macht die Dinge nicht ungeschehen. Wir sollten keinen Strich ziehen, es in der  nächsten Schublade verstauen, um es dann allmählich zu vergessen. Nur wenn wir immer wieder der Geschichte auf den Grund gehen, wenn wir in die Zeit zurück reisen, werden wir in der Gegenwart und in der Zukunft vermeiden können, Fehler zu wiederholen.

Heute lebt in der Stadt Oswiecim kein einziger Mensch jüdischen Glaubens mehr.

David Salz – ein Zeitzeuge

| 27.01.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Interviews, Klasse

Das Thema Nationalsozialismus wird im Geschichtsunterricht behandelt.  Das reicht aber nicht aus. Wir müssen uns mit den uns noch verbliebenen Zeitzeugen auseinander setzen und ihre Geschichten für die Nachwelt erhalten.

Das wird zum Beispiel mit dem Projekt von der Schwarzkopf-Stiftung getan. Diese hat mir und einigen Mitschülern ein Treffen mit Herrn David Salz ermöglicht. Wir durften ihn stellvertretend für die nachfolgenden Generationen interviewen. Das Interview wurde gefilmt und wird hoffentlich bald als eines der ersten Videos dieses Projekts im Internet zu finden sein.

Herr Salz wurde 1929 in Berlin geboren. Mit sieben Jahren endete seine Kindheit abrupt, weil sein Vater von der Gestapo verhaftet wurde und kam nicht zurück. Seine Mutter beschloss auf ihren Mann zu warten und nicht nach Palästina zu emigrieren, wie der Rest der Familie es tat. Für David Salz folgte eine schwierige Zeit. Er musste als Kind miterleben, wie sich die Nachbarn distanzierten und er bei vielen Sachen ausgeschlossen wurde. Zum Beispiel durften Juden nicht in Badeanstalten gehen und deswegen kann Herr Salz bis heute nicht schwimmen.

Auch wenn sich das mit dem Schwimmen im ersten Moment nicht so schlimm anhört, stellt es doch einen Eingriff in die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten dar. Wer gibt jemandem das Recht etwas Lebensrettendes zu verbieten. Wieso dürfen manche Menschen  überleben und andere nur aufgrund ihrer Religion oder ihrer Vorfahren nicht? Wenn zwei Kinder ins Wasser fallen, wieso hat nur das „deutsche“ ein Recht darauf zu überleben?

Bei diesem Treffen hat er viel von sich und seinem Leben preisgegeben. Er erzählte uns, wie er es geschafft hat, im Konzentrationslager zu überleben und wie er überhaupt erst dort hingekommen ist: Im März 1943 kam seine Mutter nicht von der Arbeit zurück. Das war sehr ungewöhnlich und so machte sich David Salz im Alter von dreizehn Jahren auf die Suche nach seiner Mutter. Dass er sich dadurch in große Gefahr begeben würde, wusste er damals noch nicht. Die Gestapo hat ihn gefangen genommen und schon bei der Ankunft in der Gestapo geschlagen. Noch heute muss er mit den Narben dieser Folter leben. Später kam er in ein Sammellager. Kurz darauf wurde er nach Auschwitz deportiert. Was er damals noch nicht wusste: Seine Mutter war wenige Tage zuvor in Auschwitz umgebracht worden.

Dieses Schicksal sollte ihn nicht treffen. Obwohl er erst dreizehn Jahre alt war, fiel ihm auf, dass bei der Selektion alte Menschen, Frauen und Kinder auf die eine Seite kamen und kräftige Männer mit Berufen auf die andere Seite. Er konnte nicht ahnen,  dass die eine Seite sofort vergast werden würde. Als er an der Reihe war, sagte er deshalb, er sei sechzehn Jahre alt und Elektriker. Er dachte, er könne seine Mutter, die zuvor bei Siemens arbeitete, so am ehesten wiedertreffen.

David Salz hatte die Hoffnung seine Mutter wieder zu sehen noch nicht aufgegeben, als er ins KZ Buna/Monowitz kam. Er schwor sich, wenn er das Ganze wegen der Angabe des Berufes überstehen würde, später Elektriker zu werden. Dank älterer Inhaftierter schaffte er es bis zum 18. Januar 1945 zu überleben. Hierbei halfen ihm vor allem Erich Markowitsch und der Schneider Kowalski. Sie gaben ihm Essen und beschützten ihn vor den schlimmsten Kapos.

Es ist sehr erstaunlich, dass, obwohl sie im KZ waren, es immer noch Menschen gab, die andere unterstützten. Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Kinder oder Jugendliche zu retten. Doch es ging noch weiter und Herr Salz sollte noch mehr Menschen treffen, die ihm halfen. Er erzählte uns wie er nach Mittelbau-Dora gekommen ist und wie er es letztendlich geschafft hat zu flüchten: Am 18. Januar 1945 wurden die Inhaftierten des KZ Buna/Monowitz auf die Todesmärsche getrieben. Anders als bei der Fahrt von Berlin nach Auschwitz wurden sie dieses Mal auf offene Kohletransporter verladen. Dies war bei Schnee, Hagel und kalten Temperaturen sehr unangenehm. Die Wagen waren extrem  voll und alle wollten in der Mitte stehen, um sich zu wärmen. Sie waren neun Tage ohne Essen und nur mit einem Becher zum Schnee schöpfen unterwegs. Diese extremen Bedingungen überlebten viele nicht. Die Leichen wurden einfach vom Zug geworfen.

Im KZ Mittelbau-Dora, das unter der Erde in einem Stollen liegt, angekommen, wurde er in den Steinbruch gebracht. In diesem Steinbruch herrschten unmögliche Lebensbedingungen: Es waren durchweg acht Grad und es war feucht und Staub lag in der Luft. Es erstickten viele. Trotzdem kamen mehr Gefangene hinzu und das Lager wurde immer voller. Deshalb mussten sie auf sie auf einen erneuten Todesmarsch. Als sie in einem Nebenlager ankamen, wurde dieses bombardiert und Herrn Salz gelang die Flucht. Von jetzt an lief er nachts und legte sich tagsüber auf Friedhöfen zum Schlafen hin.

Herr Salz hörte einen Panzer anrollen und merkte, dass dieser nicht vom deutschen Militär war. Er hörte die Soldaten Englisch sprechen und rief: „ Jewish! From the concentration camp!“ Ein jüdischer Soldat hörte ihn, kam auf ihn zu und sagt: „ Friede mit dir.“ Die Amerikaner brachten ihn in ein Krankenhaus und als er wieder gesund war, kehrte er nach Berlin zurück.

Herr Salz musste feststellen, dass im Nachkriegsdeutschland viele ehemalige Nationalsozialisten wieder in neue hohe Positionen zurückkamen. Daraufhin beschloss er nach Israel zu emigrieren. Dort wurde er Elektriker, wie er es sich versprochen hatte. Er heiratete und bekam Kinder. 1961 kam er nach Deutschland zum Eichmann-Prozess, hielt ihn aber nicht durch. Seit dem erzählt er seine Geschichte um zu verhindern, dass so etwas jemals wieder passiert.

Obwohl David Salz bis heute in Israel lebt, hat er den Antrag auf die deutsche Staatsangehörigkeit gestellt, um seinen Kindern ein Leben im Ausland zu erleichtern. Dieser Antrag wird bisher abgelehnt, da David Salz nicht belegen kann, nach 1945 in Deutschland gelebt zu haben.

Das letzte was Herr Salz uns mit auf den Weg gab, war: „ Never again!“

Survival of the Fittest

| 26.01.2015Kommentare deaktiviert Interessantes

Der Mensch lebt bereits seit Millionen von Jahren in Unwissenheit über sich selbst und seine Existenz und doch ist die Menschheit zweifellos eine intelligente Spezies, ein Überlebenskämpfer. Wir würden jetzt nicht stehen, wo wir sind, wenn nicht unsere Vorfahren gegen die erbarmungslosen Konditionen ihres Umfelds angekämpft hätten. Die Natur versteckt sich hinter ihrer Schönheit. Als Heimat von Raubtieren aller Art und unberechenbaren Wetterverhältnissen bildet sie eine konstante, unzähmbare Gefahr und birgt auf jedem Schritt den Tod. Dennoch schaffte sie das Zuhause der Urmenschen. Die Erde ist ein gefährlicher Ort und die größte Bedrohung von allen ist der Mensch selbst. Er weiß es bloß nicht.

Der Mensch wird weder „gut“ noch „böse“ geboren. Neben dem biologischen Aspekt, der durch das Tragen des Individuums im Mutterleib während der Schwangerschaft geformt wird, haben die Erziehung durch sein Umfeld und das absolute Absorbieren des Lebens mit allen Sinnen Einfluss auf die Entfaltung des menschlichen Wesens.

Seit Anbeginn der Entstehung unserer Rasse tragen wir einen festen Bestandteil unserer Spezies mit uns, bekannt als die „Natur des Menschen“. Dieses Element ist fest mit uns verschmolzen. Es ist der Urinstinkt zu überleben und zu sichern, was wir lieben.

„Survival of the Fittest“ heißt es nach der Darwin’schen Evolutionstheorie. Nur der anpassungsfähigste überlebt. Lediglich als Teil einer Gemeinschaft sind wir nach diesem Prinzip als „stärkste“ Spezies noch am Leben.

Die Natur ist dem Individuum weitaus überlegen. Doch als Kollektiv sind wir robust und widerstandsfähig. Die Natur zu bekämpfen, wäre unmöglich. Sie ist das größte und wichtigste Organ, das wir haben.

Mit der Kraft von außen und der Stärke von innen erleben wir laufenden Fortschritt auf Bereichen der Wissenschaft. Durch Forschung und Kommunikation richtet sich das Denken weiterhin zukunftsorientiert. Innovationen folgen auf Innovationen, doch die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Gesellschaften, sowie untereinander erleiden einen Zusammenbruch.

Der Draht, an dem der gesamte Staat hängt, ist gerissen. Eine Art erhöhte Bewegungsfreiheit ist entstanden. Die Gesellschaft beginnt sich zu spalten. Interessensgruppen, meist mit politischem Hintergrund, bilden sich mit zahlreichen Anhängern und leiten Konfrontationen in der Öffentlichkeit ein. Es ist die Instabilität des Staates, welche ausgenutzt wird. Verursachtes Chaos lenkt die Aufmerksamkeit auf die Situation. Kontrolle ist nur bedingt von den Staatsgewalten möglich. Neben dem grundsätzlichen Schaden, dem Bruch der Gesellschaft, resultieren Folgeschäden, welche in etwa auf finanzieller Basis liegen können. Besonders kritisch wird es, wenn sie auf politischer Ebene geschehen. Mit dem Sturz unseres Systems wäre alles zerstört, was nach dem 2. Weltkrieg und der Teilung Deutschlands errichtet wurde, nämlich das Herz unseres Staates, die Demokratie.

Medien sind eine Quelle des Wissens. Sie verbreiten schnell, effektiv und flächendeckend Informationen. Sie werden als Grundgerüst für (versteckte) Propagandazwecke missbraucht. Dieses Kommunikationsnetzwerk gehört zum Repertoire der Kriegsführung. Hass wird gegenüber Gegenkämpfern und dem Fremden provoziert und Liebe den eigenen Mitstreitern zugesprochen.

Kriege sind auf unserem Planeten kein Ausnahmefall. Es hat sie schon immer gegeben. Ein Ende aller Kriege ist in der Zukunft nicht vorstellbar. Bei einem Krieg müssen keine Bomben fallen, um ihn als solchen zu identifizieren. Gegenüber stehende Fronten müssen ebenso wenig existieren. Eine Waffe muss nicht immer schießen oder stechen, dennoch ist das Resultat immer das Gleiche. Es fließt Blut, zumindest im metaphorischen Sinn.

Politik und Wirtschaft dominieren die moderne Kriegsführung und sind monströse Schlachtfelder. Sie verursachen Schäden exakt im größten Schwachpunkt des Gegners. Als „Gegner“ werden auch heute noch die Gesamtheit einer Nation, eines Volkes oder der Anhänger eines Glaubens oder einer Religion gesehen. Wieder taucht das Individuum, in diesem Fall das Oberhaupt, welches die Folgen seines Handelns als „Spieler“ persönlich zu tragen hat, unter, wodurch die gesamte Bevölkerung leiden muss. Krisen, Hungersnöte und Armut folgen ihr als Konsequenz. Der Mensch wird entmenschlicht. Er wird ausgenutzt und gedemütigt. Die Führungsmacht lehnt sich an die Bevölkerung, die jedoch durch ihre Schwäche und Anteillosigkeit zusammenbricht. Dieser Missbrauch von der vom Volk zugesprochenen Macht und die damit verbundene Verantwortungslosigkeit für das eigene Handeln ist unmenschlich. Die Führungsmächte behalten ihre Macht solange, bis der letzte Untertan tot ist oder die Gewalt vom Volk ausgeht und der Regentschaft ein Ende setzt. Doch solange dies nicht geschieht, sind die Individuen entweder von Terror und Unterdrückung gekennzeichnete Spielfiguren oder Tote.

Der Mensch befindet sich auch noch nach einer Erhöhung des Lebensstandards in der Rolle des Überlebenskämpfers. Mit jedem Schritt und Atemzug verweilt er im Angesicht des Todes, seine Würde und seinen Stolz schützend. Er ist ihnen gegenüber defensiv eingestellt. Sobald den Menschen die Habgier überfällt, geht die Selbstachtung und Wertschätzung verloren. Die Solidarität verfällt komplett. Die eigenen Interessen gelangen in den Vordergrund. Er wird offensiv.

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