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Was bin ich?

| 12.04.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Es ist ein paar Jahre her, da saß ich mit einem Freund im Bus. Es stiegen zwei Männer ein, der eine setzte sich neben meinen Freund, der andere blieb stehen und grinste mich an. Neben mir der Platz war noch frei. „Setz dich doch da hin“, hat der eine Mann gesagt. „Nein, ich will nicht neben der Schwarzen sitzen.“  “Die Schwarze” – das war ich in seinen Augen. Am liebsten hätte ich geschrien.

Ich bin nicht „die Schwarze“! Genau so wenig bin ich „Mulatte“. Wenn ich „Mischling“ genannt werde, muss ich sofort an kleine Hündchen denken. Klar, meine Haare sind krauser als die der Meisten, und meine Haut dunkler (was mir, je älter ich werde, mehr und mehr gefällt), aber ich bin Deutsche. Ich spreche Deutsch, bin hier aufgewachsen, hier fühle ich so etwas wie Heimat.

Ich kenne einige Leute, denen es genauso geht wie mir. Einige sagen, die Bezeichnung „Afrodeutsch“ gefällt ihnen nicht. Als Afrodeutsche werden deutsche Staatsbürger mit afrikanischer Abstammung bezeichnet. Die Wortreihenfolge macht‘s. Sie fühlen sich mehr Deutsch als Afro.
Andere sind genervt von den Vergleichen mit irgendwelchen Lebensmitteln. „Du bist gar nicht schwarz, sondern mehr so Schokolade oder Latte Macchiato.“

Ich bin ich! Tochter  meiner deutschen Mutter und meines ghanaischen Vaters. Für mich ist es ein sehr sensibles Thema. Je älter ich werde, desto weniger empfindlich reagiere ich auf solche Kommentare. Oft ist es sicher nicht böse gemeint, doch egal von wem es kommt, muss ich manchmal schlucken, wenn ich nicht als Deutsche gesehen werden kann.

Wo hören die Gemeinsamkeiten auf, wo fangen die Unterscheidungen an?

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