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Kulturen in Bewegung

| 08.04.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Klasse

Seit es den Menschen gibt, gibt es auch Kulturen. Denn Kultur ist all das, was der Mensch erschafft und was den Menschen prägt. Kultur kann individuell und auch gesellschaftlich und gemeinsam sein, Kultur verbindet Menschen. Jeder Mensch trägt Kultur in sich und entwickelt sie auf eine bestimmte Art und Weise weiter; er selbst ist ein Ergebnis dieser Einflüsse.

Kultur ist ein sehr komplexer Begriff in unserer heutigen Gesellschaft und umfasst eine große Spannweite von verschiedenen Thematiken. Dabei spielt zum Beispiel die Kunst, Technik, Wirtschaft, Religion, Wissenschaft, Musik, Theater, Essen, Kleidung, Traditionen und vorallem die Kommunikation eine bedeutende Rolle. Auf all dies trifft jedes Individuum täglich im Alltag, denn Kultur widerfährt uns in allen möglichen Situationen und es ist unmöglich sie sich wegzudenken. Allerdings spielen nicht nur die Dinge eine Rolle, die wir sehen und wahrnehmen, sondern auch innere Sinne. Dabei sind zum Beispiel ganz wichtig die Werte, Einstellungen, Auffassungen, Bedürfnisse und Gefühle. Ein großer Eisberg ragt einige Meter aus dem Wasser. Man sieht seine weiße, kühle Spitze. Wie stark liegt er unter Wasser verankert? Es sind 85%.

Das, was wir wahrnehmen, was wir im ersten Moment sehen, das ist sehr wichtig und auch prägend für eine Gesellschaft und den einzelnen Menschen. Doch das, was unter dem Meerespiegel liegt, das ist das eigentliche Fundament. Es spielt eine so große Rolle, dass es uns sehr stark in unserem Verhalten und unserer Denkweise prägt. Dies macht aus uns den, der wir heute sind, jedes einzelne Individuum – den Menschen.

Seitdem es Kulturen gibt, gibt es auch schon Assimilation überall auf der Welt. Kulturen verschmelzen ineinander und die Träger der Kultur eignen sich Essgewohnheiten, Sprachen, Musik und andere Dinge an, und natürlich übernehmen sie auch Werte und Einstellungen. Allerdings kommt es leider nicht nur zu Assimilationen, die dazu beisteuern, die Welt offener und sozialer zu machen, sondern leider kommt es auch zum Aussterben von Kulturen.

Die Tasmanier waren ein Volk, das im 19. Jahrhundert auf der Insel Tasmanien siedelte. Schon 1830 gab es etwa nur noch 300 von ihnen und schließlich wurden sie 1869 völlig ausgerottet. Dies geschah durch den Einfluss einer anderen Kultur – der der Briten. Die Briten zwangen sie auch, den christlichen Glauben anzunehmen. Wieso zerstören Menschen Kulturen von anderen Menschen? Wenn doch Kultur dazu beisteuert, dass sich Menschen verbinden. Wieso ist es nicht das Ziel eines Jeden, Kulturen zu pflegen und zu hegen, dass sie nie den Untergang erleben müssen. Denn wenn man eine Kultur tötet, tötet man auch Menschen. Wie soll man ohne seine Kultur weiterleben? Das ist unvorstellbar.

Weit weg von Tasmanien ein anderes Schicksal. In der Nordsee. Auch eine Insel. 1500 Einwohner. Eine eigene Kultur. Dies zeichnet, neben der außergewöhnlichen Sprache des Halunder, die Nordseeinsel Helgoland in Deutschland aus. Diese Insel hat eine sehr bedeutende und prägende Geschichte, wobei Halunder eine wichtige Rolle spielt. Halunder, auch Helgoländer Friesisch genannt, ist ein gutes Beispiel für die inzwischen minimalisierte Kultur, denn die Anzahl der Kulturträger nimmt leider weiter ab. Inzwischen leben immer weniger junge Menschen und viel mehr alte Menschen auf der Insel, was ebenso für das voraussichtliche Aussterben dieser Kultur verantwortlich sein wird. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung spricht heute nur noch Halunder und diese Anzahl wird sich weiter verringern. Man spricht von einer “bedrohten Sprache”. Als Maßnahme dazu, um nicht dem Aussterben der besonderen Kultur einfach nur in die Arme zu laufen, wird an der James-Krüss-Schule auf Helgoland Halunder unterrichtet. Wird dies die Kultur des Helgoländischen noch retten, verbreiten und wachsen lassen?

Ein weiteres Beispiel findet sich während des Zweiten Weltkriegs. Das schrecklich gewollte Ausrotten einer ganzen Kultur, des Judentums, durch Auslöschung ihrer Träger. Die Nazis ermordeten Menschen, weil sie einer bestimmten Kultur angehörten. Juden wurden erst als “schlechte Menschen” angesehen, später  als Untermenschen und dann wurde ihnen das Mensch-Sein überhaupt abgesprochen. Sie wurden entmenscht…

Was ist an einer Kultur besser als an einer anderen? Wer entscheidet, welche Kultur gut oder schlecht ist? Wer sieht sich dazu in der Lage, und wer hat das Recht, darüber  zu urteilen? Niemand, eindeutig niemand. Die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs haben uns Menschen deutlich in unserer ethisch-moralischen Entwicklung zurückgeworfen. Auch heute passieren noch vergleichbare Dinge auf der welt. Wie kann es sein, dass ein Mensch diskriminiert wird für seinen Glauben, seine Gedanken und seine Werte, wenn wir doch alle das Recht auf eine freie Meinung haben? Wie kann es sein, dass ein Mensch auf Grund seiner Nationalität benachteiligt wird? Wir alle sind Menschen, Menschen aus dem selben Gestein, und  das wird von vielen von uns oft ausgeblendet. Wir sind alle Menschen, so unterschiedlich und individuell, doch gerade das macht uns doch aus und gerade das macht das Aufeinandertreffen zweier Menschen und Kulturträger doch so interessant! Ist es nicht etwas Tolles, wenn aus zwei verschiedenen Kulturen eine ganz neue entsteht? Macht dies nicht unsere heutige Gesellschaft aus, dieses Multikulturelle?

Kulturen verschmelzen, Kulturen entstehen, Kulturen bilden sich aus und brechen alle Grenzen, in unseren Köpfen, Herzen und Seelen. Die Dinge durch andere Augen zu sehen und vielleicht festzustellen, dass ich die Welt nun bunter sehe… Ist das nicht etwas Schönes?

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