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Die Hoffnung stirbt zuletzt

| 01.03.20151 Kommentar » Klasse

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen unter der Diktatur Hitlers unterdrückt, aber einige unterwarfen sich auch Hitlers Regime. Die Menschen wurden überwacht, bespitzelt, getäuscht, verraten und manipuliert.

Fast genauso ist es auch in Goerge Orwells fiktionalem, dystopischen Roman „1984“. Hier werden Menschen unter der Diktatur der Partei unterdrückt, aber viele unterwerfen sich auch dem „großen Bruder“. Die Menschen werden überwacht/bespitzelt, getäuscht, verraten und manipuliert.Man erkennt also schon deutliche Gemeinsamkeiten.

Einen „dystopischen“ Roman zu schreiben, dass heißt, sich eine schlimme, vielleicht auch grausame Zukunft auszumalen. In „1984“ geht es hauptsächlich um die Unterdrückung und Unterwerfung von Menschen gegen Menschen und auch um die totale Überwachung, in der nicht mal die eigenen Gedanken einem selber gehören. Rund um die Uhr wird man überwacht und der Staat oder „die Gedankenpolizei“ weiß alles über jeden. Aber ist diese Dystopie von George Orwell nicht schon längst Realität geworden?

Wie brauchen gar keinen Teleschirm, der uns aufgezwungen wird. Das übernehmen Computer und  Handys. Sie sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Wenn man sich nur mal in der U-Bahn umguckt, hat mindestens jeder zweite entweder Stöpsel im Ohr oder ein Handy oder irgendein anderes elektronisches Gerät in der Hand.Früher habe ich mich immer ein bisschen geärgert, wenn jemand neben mir eine riesige Zeitung aufgeschlagen hat, aber jetzt sieht man eigentlich nur noch Menschen mit E-books oder Ipads, auf denen sie die Zeitungsapp installiert haben.
Im Roman 1984 ist es so, dass der Teleschirm nicht nur informiert, und wie ein Fernseher funktioniert, sondern dass man selber dadurch gesehen wird. Und das unterscheidet sich eigentlich gar nicht mehr von der heutigen Zeit. Dadurch, dass wir ständig ein Handy um uns herum haben, geben wir viel mehr preis, als wir wollen und oder wissen. Eigentlich können alle Apps auf unsere Kontakte, Standorte und Fotos zugreifen. Facebook weiß, auf welchen Internetseiten man surft, um die Werbung auf jeden Einzelnen zu „spezialisieren“.
 Auch wenn unsere Handys einfach auf dem Tisch liegen und dabei an sind, kann gehört werden, was geredet wird. Natürlich wird immer gesagt, dass das nur ist, um alle Sachen auf uns abzustimmen. Aber dadurch kann eigentlich jeder abgehört werden und viele, wie ich denke, auch ohne ihr Wissen. Jedoch auch die, die es wissen (dazu muss man ja meistens nur die Nutzungsbedingungen lesen) machen hauptsächlich einfach so weiter. Uns muss gar nichts aufgezwungen werden, damit wir abgehört werden können. Viele von uns machen das ganz freiwilig!

Aber was bedeutet Freiheit, freiwillig und frei sein überhaupt? In 1984 gibt es die Parole: „Freiheit ist Sklaverei“. Ich denke, obwohl jeder Mensch eine ganz eigene Vorstellung von Freiheit hat, ist diese Parole keine davon. Viele Menschen wünschen sich einfach nur einen sicheren Platz, an dem sie erlaubt sind, das zu tun, was sie wollen und wo auf jeden Fall Frieden herrscht. Wir hier in Deutschland haben Glück, wir hören nur über die Dinge, die gerade in anderen Ländern passieren.

Aber Fakt ist : In der Welt herrscht Krieg. Wir wissen es alle, irgendwo, in einem weit entfernten Land, passieren gerade schreckliche Dinge. Wir sehen es zwei Abende hintereinander in der Tagesschau, denken:“Ohh, wie schrecklich“ und weiter geht’s zum Abendbrot.Es ist ja nicht in unserer Nähe und was geht uns fremdes Elend an. Vielleicht wird auch ein bisschen gespendet für die armen Kinder, die beim Krieg ihre Eltern verloren haben. Wir sagen immer, dass man helfen sollte, aber wenn dann ein Flüchtlingsheim in die Nachbarschaft gebaut werden soll, gibt es nur noch Beschwerden:„Das ist mir viel zu nah an dem Kindergarten meiner Tochter“ oder „Dann wird unsere Wohngegend sofort extrem gefährlich und schlecht“. Ich sag ja nicht, dass jeder Mensch so ist oder ich nicht so bin. Ich habe Vorurteile und auch wenn ich weiß, dass diese Vorurteile nicht stimmen oder auf jeden Fall nur auf eine ganz kleine Minderheit zutreffen, kann ich sie oft nicht abschalten. Aber ich denke auch, wenn man den Flüchtlingen immer nur mit Abgeneigtheit und Misstrauen gegenüber tritt, werden sie nie in die Gesellschaft integriert. Diese Flüchtlinge haben oft Dinge miterlebt, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können. Sie haben einen extrem langen und gefährlichen Weg hinter sich, um sich selber oder ihren Kindern eine bessere Zukunft zu gewähren und dann kommen sie zu uns nach Europa und müssen erstmal damit kämpfen, nicht auf der Stelle wieder abgeschoben zu werden.

Wir wollen uns alle immer für einen guten Menschen halten, aber wenn es drauf ankommt, kommt nichts.
Trotzdem ist es schöner zu denken, dass man eher für den Widerstand gekämpft hätte, als bei den Bösen mitgemacht. Aber niemand weiß, was wirklich passiert.
Vielleicht hätte man das, wenn man nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde, am besten bei dem Projekt in einer Kalifornischen Schule bemerken können.
Ein Geschichtslehrer wollte seinen Schülern einfach mal zeigen, wie so viele Menschen in so kurzer Zeit bei den Nazis mitmachen konnten. Diese Schüler hatten das Thema im Unterricht und wussten Bescheid, aber trotzdem haben fast alle bei der Organisation “The Wave” mitgemacht. Dieses Projekt hat nochmal gezeigt, dass das, was im Nationalsozialismus passiert ist, sich an einer Schule wiederholt hat. Da drängt sich dann sofort die Frage auf, ob sich das auch mit mehr Menschen und über mehrere Länder wiederholen kann.
In diesem Moment würde ich persönlich “Nein” sagen. Ich denke, dass genug Menschen aufgeklärt sind, was sich zum Beispiel durch die vielen Pegida-Gegendemonstranten zeigt.
 Aber andererseits wird es immer Menschen geben, die einen Hass auf eine bestimmte ethnische Gruppe haben und auch viele weitere davon überzeugen können. Man sollte diesen Menschen klar machen, dass wir alle gleich sind. Nicht von den Hautfarben oder Religionen, aber unser Skelett ist gleich, wir haben die gleichen Organe an der gleichen Stelle. Also warum versuchen einige Menschen immer wieder Kriege anzufangen oder Terroranschläge zu begehen? Wurde denn aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt? Was muss denn noch alles passieren, bis die Menschen aufhören sich zu bekriegen?
Muss sich echt so etwas wie der Holocaust erst wiederholen?

Alle Zeitzeugen, die wir bis jetzt getroffen haben, waren immer der gleichen Meinung, wenn es um zwei Dinge ging. Erstens: So etwas wie der Holocaust darf sich auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen nochmal wiederholen und Zweitens: Wir sind jetzt die Zukunft und wir müssen aufpassen, dass so etwas wie im Nationalsozialismus nicht noch einmal passiert. Sie geben es an uns weiter.

Und obwohl ich denke, dass diese Aufgabe sehr viel Verantwortung mit sich bringt, finde ich auch, dass wir das schaffen können. Und genau so ist es meine Meinung, dass George Orwell uns auch darauf aufmerksam machen wollte. In seinem Roman ist so viel Unrecht geschehen und es wurden so viele und vor allem schwerwiegende Lügen verbreitet, dass ich am liebsten manchmal einfach das Buch zugeschlagen hätte. An manchen Stellen wusste ich gar nicht mehr, was ich jetzt denken soll. Natürlich weiß ich, dass das alles nur fiktiv ist, aber alles was sich vorstellen lässt, ist irgendwann auch realisierbar. Ich kann nur hoffen, dass so etwas nie dazugehört. Sonst verliere ich den Glauben an die Menschheit, von der ich immer noch überzeugt bin, obwohl ich schon so oft eines Besseren belehrt wurde. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Kommentare

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Ein Kommentar zu „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

  1. superzicke

    Es wird immer Menschen geben, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben; Hautfarbe, Augenfarbe, Ohren, ganz egal.
    Allerdings gibt es auch immer die anderen Menschen. Ich wollte mich mit meiner Mutter melden, um bei einem Flüchtlingsheim in unserer Nähe zu helfen. Wir dachten, Hilfe kann man immer gebrauchen. Uns wurde aber gesagt, dass das gar nicht stimmt. Immer mehr Menschen melden sich zum Ehrenamt in den Flüchtlingsheimen und zeigen so ihre Solidarität mit den Menschen, die dort leben. Um zu zeigen, dass es auch anders geht.
    Ein anderes Beispiel: Als wir im Zug aus München saßen, ging die Polizei durch die Reihen. Suche nach illegalen Einwanderern. Und sie wurden fündig: Eine Familie aus dem Kosovo. Der Bruder eines Mannes lebte bereits in Deutschland und dieser Mann früher auch. Er ist zurückgereist und hat seine Aufenthaltsgenehmigung abgegeben, um seine Familie aus dem Kosovo zu holen. Und diese Familie wurde nun im Zug abgefangen. Kurz bevor sie zum Ende des Zugs gebracht wurden, steht ein Mann auf. Er lächelt sie alle an und wünscht ihnen Glück. Er schenkt ihnen Hoffnung.
    Das ist Zivilcourage und das ist der Grund, warum ich glaube, dass sich eine Art Hitler-Regime, zumindest in Deutschland, nicht wiederholen wird. Es gibt genug Menschen, die hinterfragen, was passiert und widersprechen, wenn sie es für falsch halten.