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Behindert sein, behindert werden

| 20.01.20151 Kommentar » Interessantes, Klasse

In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen mit Behinderung, doch der  öffentliche Raum ist längst noch nicht behindertengerecht genug. Fahrstühle, behindertengerechte Zugänge zu Restaurants und Supermärkten fehlen an allen Ecken und Enden.

Der Begriff  “behindert” kann verschieden verstanden werden. Raul Aguayo-Krauthausen stellt sich selbst immer wieder die folgende Frage: „Ist das betroffene Individuum behindert oder wird es von seinem Umfeld behindert?”

Raul Krauthausen, der bereits eine Biografie über sein Leben geschrieben hat, musste desöfteren die Erfahrung machen, dass Treppen ihm den Weg versperren. [„Die Schritte wurden schneller, und ich hatte das Gefühl, dass mir das Wasser bis zum Hals steht. Vor allem schämte ich mich, dass die Gruppe wegen mir so viele Hindernisse zu überwältigen hatte.“] (Biografie: Dachdecker wollte ich eh nicht werden, Raul Aguayo-Krauthausen, S. 31 Z. 3-6) Darum entwickelte er mit seinem selbstgegründeten gemeinnützigen Verein Sozialhelden im Jahr 2010 im Rahmen eines Projektes eine Internetseite, auf der Menschen mit Behinderungen sich einen Überblick über  behindertengerechte Orte verschaffen können (wheelmap.org).

Auch sonst ist das Thema Behinderung in der deutschen Gesellschaft ein Problemthema. Viele Frauen denken über eine Abtreibung nach, wenn festgestellt wird, dass das zu erwartende Kind möglicherweise mit einer Behinderung geboren werden könnte. Wie DIE ZEIT bereits treffend zu diesem Thema fragte: „Warum haben wir so große Angst vor behinderten Menschen?“

Wir haben oft Angst vor Dingen, Situationen und Menschen, über die wir nichts oder kaum etwas wissen. Viele Erwachsene klären ihre Kinder nicht darüber auf, dass es auch Menschen gibt, die durch Unfälle oder angeborene Behinderung  in ihrem Leben eingeschränkt sind. Kleine Kinder sind oft neugierig, zeigen auf behinderte Menschen und fragen ihre Eltern, was mit diesen ist. Auch Raul Krauthausen kennt viele solcher Situationen. Ihm sind diese Fragen aber nicht unangenehm, denn er weiß, dass so etwas den Kindern oft unbekannt  und neu ist. Er findet es eher schade, wenn die Erwachsenen die Kinder dann einfach wegziehen und sie nicht aufklären.

Jugendliche machen sich manchmal auch lustig über eingeschränkte Personen. Sätze wie „Bist du behindert!”, was so viel bedeutet wie „Bist du nicht ganz bei Sinnen?“, werden oft im Alltag benutzt ohne den verletzlichen Hintergrund zu beachten.  Darum ist es wichtig, dass Menschen wie Raul Krauthausen Schulen und andere Jugendeinrichtungen besuchen, um über ihr Leben mit einer Behinderung zu reden. In vielen Schulen werden Klassen mit Kindern mit und ohne Behinderung gebildet, um behinderte Kinder besser in die Gesellschaft zu integrieren. Raul Krauthausen hat damit ebenfalls Erfahrungen gemacht und schreibt darüber in seinem Buch: [„Unsere Gruppe setzte sich zusammen aus zwölf Mädchen und Jungen ohne Behinderung sowie aus drei Kindern mit Behinderung. Ich war der einzige im Rollstuhl, die beiden anderen waren lernbehindert.”] (Biografie: Dachdecker wollte ich eh nicht werden, Raul Aguayo-Krauthausen, S. 41 Z. 1-4).

Auch wenn Menschen wie Raul Krauthausen in der deutschen Bevölkerung eine Minderheit darstellen, sollten sich die Politiker und die übrige Bevölkerung mehr Gedanken darüber machen, wie man Behinderte besser in die Gesellschaft integrieren kann und wie am besten und gemeinsam mit den Betroffenen Möglichkeiten geschaffen werden, wirklich ALLE Türen passieren zu können.

Kommentare

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Ein Kommentar zu „Behindert sein, behindert werden“

  1. sweetboy

    Ich selbst bin mit Menschen mit Behinderungen etwas vertraut, da es in meiner Familie selbst einen Fall gibt. Menschen, die Behinderungen haben, werden oft vorsichtiger behandelt als Menschen ohne Behinderungen.

    Ich denke nicht, dass es immer die Angst vor dem Menschen mit der Behinderung ist, sondern eher die Angst, falsch mit diesem Menschen umzugehen. Viele von ihnen werden wegen ihrer Behinderungen bemitleidet, was für mich nicht der richtige Umgang ist. Es ist so, als ob man ihnen die Tatsache, dass sie anders sind, ins Gesicht hält und sie damit bedrängt. Dabei sind sie Menschen wie auch jeder andere von uns, ob dunkelhäutig oder hellhäutig, mit oder ohne Behinderung. Man sollte ihnen das Gefühl geben und sie ermutigen, eigenständig zu handeln und selbst etwas erreichen zu können, ohne auf andere angewiesen zu sein.