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Tigermilch und der Weg des Älterwerdens

| 23.12.2014Kommentare deaktiviert Kreatives Schreiben

Erwachsen werden, ein Irrweg, ein Weg in die Freiheit – ein Weg, den jeder für sich beschreitet und dabei doch nie alleine ist.

Zu reifen, älter zu werden heißt Grenzen austesten, Fehler machen und das Leben so zu leben, wie man es für richtig hält.

Es ist nicht die hohe Kunst älter zu werden; es geschieht manchmal ganz unfreiwillig oder nebenbei. Dann dabei möglichst wenig anzuecken und aus seinen Fehlern zu lernen, heißt, dass man sich mit sich selbst beschäftigt und dass man die Konsequenzen seines Handelns selbst tragen kann und es auch muss.

Auch das kann man in der Entwicklung von Nini und Jameelah, den beiden Protagonistinnen in dem Roman „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco, erkennen. Die Mädchen wollen bloß nichts verpassen,versuchen jeden Moment auszukosten und überschreiten dabei ihre Grenzen. Trotzdem lassen sie sich nicht beirren, trinken weiter ihre Tigermilch, deren Name alleine schon zum Nachdenken anregt, tragen ihre Ringelstrümpfe und treffen sich mit ihrer Clique am Planet. Ihr Leben mag zwar aufregend sein, ist gleichzeitig aber auch sehr riskant. Auf Rückschläge wird man nicht vorbereitet und es kommt, wie es kommen musste. Irgendwann kippt jedes Boot, es ist nie immer alles nur positiv, alles hat auch eine Schattenseite.

Die beiden Freundinnen werden Zeugen eines Mordes, ihr bester Freund Amir geht unschuldig ins Gefängnis und Jameelah wird letztendlich doch abgeschoben. So endet das Buch mit der Aussage: „… ich weiß nur, dass wir immer dachten, dass niemals etwas schief gehen wird, dass nichts passieren kann, solange wir nicht alleine gehen, nirgendwohin allein.“ (Seite 280). Nini muss sehen, wie sie ab jetzt alleine klar kommt. Auf die Frage, ob Tigermilch ein Migrationsroman sei, antwortet die Autorin, dass es eher darum ginge, was Deutschland bedeutet und dass das Migrationsthema genauso zu Deutschland dazugehöre, wie alles andere auch (Quelle Interview mit Ute Wegmann).

Um das Buch überzeugend auf die Bühne zu bringen, benötigt es einiges an Auseinandersetzung mit dem Buch und Vorbereitung.

Am Ersten November 2014 war im Theater an der Parkaue Premiere der Inszenierung von Tigermilch.

Das Stück ist nachvollziehbar und auf eine interessante Weise gestaltet. Das Bühnenbild, welches am Anfang aus weißen oder hellgrauen Blöcken besteht, nimmt im Laufe der Zeit immer mehr Form und Farbe an. Diese Veränderung lässt einen den Verlauf der Geschichte verstehen und man weiß dadurch auch wo jede Szene spielt. Obwohl es nur von fünf Schauspielern gespielt, ist das Stück verständlich. Dass bei dem Theaterstück einige Charaktere aus dem Buch fehlen und hauptsächlich nur ein Handlungsstrang erzählt wird, stört nicht. Einige Szenen sind sehr emotional berührend gestaltet und man fühlt mit den einzelnen Figuren. Damit, dass man aus dem Theaterstück rausgeht und weiter darüber nachdenkt ist, denke ich, auch einer der wichtigsten Ziele des Buches in der Inszenierung wieder zu finden.

Abschließend kann man sagen, dass die Kombination aus dem Buch und der Inszenierung sehr aufschlussreich ist und viele neue Erkenntnisse mit sich bringt, die für jeden einzelnen variieren. Beide Werke können gut für sich alleine stehen und ergänzen sich dennoch gut. Das Theaterstück diente für mich noch einmal als Verdeutlichung des Buches und hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.

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