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Vera Friedländer: Ein Leben voller Erinnerungen

| 05.04.20144 Kommentare » Interessantes, Klasse, Veranstaltungen

Geboren als Tochter einer Jüdin und eines Christen im Jahr 1928 in Woltersdorf, wurde Vera Friedländer Opfer des Nationalsozialismus. Als „Mischling I. Grades“ hatte sie Zwangsarbeit zu leisten. Diese verrichtete sie bei dem Schuhhersteller „Salamander“ in einem Reparatur-Betrieb. Ihr wurde schnell bewusst, um wessen Schuhe es sich bei den Lieferungen handelte. Es waren die Schuhe der Opfer aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Viele ihrer Verwandten sind dort umgekommen, sie selbst blieb verschont.

Bereits 86 Jahre Lebenserfahrung hat Vera Friedländer, in denen sich die Judenverfolgung, der 2. Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und die folgende Wiedervereinigung widerspiegeln. Ihre Tätigkeit, das Schreiben, hilft ihr dabei die Erfahrungen ihres Lebens,  ihre Lebensgeschichte innerhalb unserer Gesellschaft weiterzugeben.

Auch mit uns hat sie ihre Geschichte geteilt. In der zweistündigen Lesung mit anschließendem Gespräch brachte sie uns die Realität der vergangenen historischen Ereignisse näher. Ausgewählte Lesestellen aus ihrem Buch „Man kann nicht eine halbe Jüdin sein“,  mitgebrachte Fotos und Dokumente verdeutlichten ihre Worte.

Ein bedeutsames Stück Geschichte hinterließ sie uns und erinnerte daran, nicht blind durch die Welt zu laufen, sondern die Augen offen zu lassen mit dem Blick auf das Geschehen innerhalb des Volkes. Wir werden die Mahnung beherzigen.

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Kommentare

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4 Kommentare zu „Vera Friedländer: Ein Leben voller Erinnerungen“

  1. bella

    Mit jeder Lesung zu diesem Thema, mit jedem Zeitzeugengespräch schäme ich mich mehr. Ich schäme mich, für das, was meine Vorfahren verbrochen haben, was sie teilweise nicht einmal zugeben. Zum Beispiel dieser Schuhhersteller “Salamander”.
    Allen stichhaltigen Beweisen zum Trotz, der Menschlichkeit zum Trotz weigert sich diese Firma ihre Schande einzugestehen. Geschweige denn eine Entschuldigung in Betracht zu ziehen.
    Diese Dreistigkeit, von der ich immer wieder erfahren muss, verschlägt mir ein ums andere Mal die Sprache.
    So fällt mir jetzt noch unglaublich viel ein, worauf ich Frau Friedländer gerne angesprochen hätte, was ich sie hätte fragen können.
    Vielleicht hätte ich mich auch entschuldigen sollen. Für das, was ihr mein Heimatland angetan hat.
    Denn meine Vorfahren tragen Mitschuld daran. Sie haben weggeschaut als ihre Nachbarn verschleppt wurden, sie haben weggehört als von den Grausamkeiten erzählt wurde, die sich in den Konzentrationslagern abgespielt haben.
    Und dafür schäme ich mich.

  2. superzicke

    Es war Glück, dass Vera Friedländer und ihre Mutter den Nationalsozialismus überlebt haben.
    Doch sollten wir immer darauf hoffen, dass jemand Glück hat, den Terror zu überleben? Warum sollten wir auf ein Wunder warten?
    Sobald wir Unrecht in der Welt sehen, mitbekommen oder davon hören, sollten wir unsere Stimme erheben. Jeder kann etwas tun.
    In Weißrussland, Eritrea, Swasiland, Syrien, Iran oder Usbekistan. Überall auf der Welt gibt es Terror und Unterdrückung. Wir sollten aus unserer eigenen Geschichte lernen und der Bevölkerung anderer Länder helfen gegen die Unterdrückung vorzugehen.

  3. flottylotty

    Erst vor ein paar Tagen habe ich ein Buch mit dem Titel “Liverpool Street” gelesen. Das Buch handelt von einem Mädchen-einer Jüdin-, die mit einem der Kindertransporte zur Zeit der Diktatur Hitlers nach England flüchten kann und dort von einer Familie aufgenommen wird.
    Sie hatte Glück gehabt. Sie hatte es geschafft zu überleben. Sie konnte den Krieg überleben. Sie ist eine von wenigen unter Tausenden. Doch kann man es Glück nennen, wenn der Vater stirbt, wie auch Dutzende andere Familienangehörige und Freunde? Kann die Mutter, die das KZ überlebte, noch glücklich darüber sein, dass ihr Herz noch schlägt, auch wenn ihr alles gestohlen wurde, was ihr lieb war, außer die allerletzen schwachen Überreste einer ausgelaugten Hülle von sich selbst?
    Hatte Frances (das Mädchen im Buch) Glück im Unglück? Es hätte sie eindeutig schlimmer treffen können. Doch mindert das die Aufmerksamkeit, die ihre Geschichte verdient?
    Es war das erste Buch, welches im Nationalsozialismus spielt, das ich bisher gelesen habe, dabei stehen mehrere in meinem Regal. Doch ich habe mich nie getraut, eines von ihnen zu öffnen und mich den Geschichten auszuliefern.
    Erst ein paar Tage später erfasse ich die Worte richtig, und Bilder von Szenarien ziehen in meinem Kopf herum. Nie zuvor ist mir die Realität so vor Augen gekommen wie durch dieses Buch. Denn durch die vielen Zahlen von vermissten, ermordeten, verletzten Juden und anderen von den Nazis ausgewählten “Rangniedrigeren” wird man sich der tausenden Identitäten nicht klar. Ich habe gemerkt, dass hinter diesen Zahlen, Denkmälern, Listen, Stolpersteinen Menschen stecken, die einen Alltag hatten, eine Herkunft, eine Geschichte, Pläne für die Zukunft…
    Es ist nicht nur dieser kleine, einmarkierte Streifen Zeitraum auf dem Zeitstrahl, neben anderen Kriegen und besonderen Ereignissen. Es steckt immer mehr dahinter. Immer mehr Türen zu ungelesenen Geschichten. Und hinter jeder Tür versteckt sich eine nächste. Wir sollten nicht einfach an diesen Türen vorbei gehen und die Zahlen Zahlen bleiben lassen. Wir sollten uns auf die Suche nach den verlorenen Identitäten und ihren Geschichten machen. Sie alle haben es verdient gehört zu werden!

  4. v1i9k9i8

    Von ihrem Leben zu erzählen, fällt ihr bis heute schwer. Sie war damals nicht viel älter als wir und musste hart arbeiten. Sie hatte plötzlich keine Rechte mehr, nur weil es in ihrer Familie Juden gab, die damals umgebracht wurden, weil einige UnMenschen es so wollten und es mit Gewalt durchsetzten und viele andere nichts dagegen unternahmen. Damals wurden Menschen für ihre Religion umgebracht und heute ist es in anderen Ländern nicht anders. Menschen wie Frau Friedländer versuchen, uns zu erklären und zu zeigen, wie grausam die Zeit für die Betroffenen und für die Opfer ist. Und wir, wir lernen nicht aus den Fehlern.