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Freitagnachmittag – Und ab nach hause

| 13.12.20134 Kommentare » Kreatives Schreiben

Seit 20 Minuten starre ich jetzt schon auf den Uhrzeiger und muss mit ansehen, wie er über das Zifferblatt kriecht…. Warum dauert das denn so lange?!

Endlich das Klingeln! Die neunte Stunde ist vorbei, das Wochenende steht an.
Zwei Tage lang nichts machen müssen. Ausschlafen, tun, worauf ich gerade Lust habe. Keine Verpflichtungen.

Ich springe auf, alles in die Tasche geworfen und dann ab nach Hause.
Auf der elektrischen Anzeigetafel an der Bushaltestelle steht, dass der Bus in vier Minuten kommt. Das ist eine angenehme Zeit, denn auf lange Rumstehen hätte ich nach diesem Tag keine Lust mehr. Während ich an der Bushalte warte, wird mir endgültig klar, dass aus dem Herbst längst Winter geworden ist. Die Bäume sind kahl, ihre orangefarbenen Blätter liegen wie eine schmutzige Decke auf dem Boden. Aus den Mündern der Menschen tanzen Wölkchen und die Scheiben der Autos sind mit Eisblumen bedeckt. Die Leute sind in Mäntel gewickelt. Hände und Köpfe stecken in Handschuhen und Mützen.

Da kommt der Bus. Mal wieder zu spät bemerke ich, dass ich meine Fahrkarte brauche. Ich steige in meiner Tasche  kramend ein. Erst der Moment des Schreckens; „ Wo ist meine Portemonnaie?!“, und dann ist es wie immer doch da und ich zeige dem Busfahrer meine Karte.

Den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt fahre ich in Richtung Zuhause. Stop an der Ampel.
Eine Frau mit einem Kinderwagen und zwei kleinen Jungs im Schlepptau ist gerade dabei, sich und die Kinder möglichst lebend über die Straße zu bringen. Die kleinen Jungs hüpfen herum und hören nicht darauf, was die Frau ihnen sagt. Ich nehme an, sie ist ihre Mutter und sehr im Stress. Sie hat dunkle Augenringe und ein blasses Gesicht. Eigentlich ist sie sehr hübsch, aber man sieht ihr an, dass sie wahrscheinlich in den letzten Tagen nicht sehr viel Schlaf bekommen hat.

Weiter gehts. Nächster Halt. Aus dem Bus steigt gerade eine alte Dame. Sie ist noch sehr gut auf den Beinen. Eine Einkaufstüte tragend geht sie mit schnellen Schritten die Straße hinunter.

Nun muss ich aussteigen.
Auf dem Weg nach Hause komme ich am Friedhof vorbei. Dort findet gerade eine Beerdigung statt. Um ein Grab herum stehen schwarz gekleidete Leute, die einer Frau zuhören. Von Weitem sieht man nur weißhaarige Köpfe über schwarzen Mänteln. Ein paar Schritte noch und ich bin beim Altersheim.

“Neben dem Friedhof ist ein Sanatorium. Die haben wirklich neben den Friedhof ein Altenheim gebaut!” ,geht es mir durch den Kopf. Ich frage mich, ob das den Alten helfen oder sie ärgern soll. Einerseits haben sie keinen weiten Weg, um die Gräber verstorbener Freunde und Verwandten, sofern sie auch wirklich dort begraben sind, besuchen zu können, andererseits würde ich im hohen Alter nicht bei jedem Blick aus dem Fenster auf einen Friedhof  sehen wollen. Den Tod im Blick, gewissermaßen.

Ein paar Schritte weiter kommt mir wieder dieser alte, grimmige Herr entgegen. Ich sehe ihn ständig mit seinem Hund ausgehen. Früher habe ich ihn und seine Frau immer gegrüßt, als Antwort bekam ich dann einen verwunderten Blick, der so viel aussagte wie: “Warum redet die mit mir? Was macht man in so einem Fall? Ich geh einfach weiter und tu so, als ob ich nichts gehört habe.” Mittlerweile lasse ich das mit dem Grüßen, nur manchmal, wenn mir danach ist, sage ich “Hallo” und bekomme die gleiche Verwunderung als Antwort.

Endlich zu Hause! Schlüssel raus, Tür auf, Schuhe und Jacke ausgezogen, Tasche in die Ecke und aufs Bett fallen gelassen.

Bis Montag dann! Erholt euch gut!

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Kommentare

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4 Kommentare zu „Freitagnachmittag – Und ab nach hause“

  1. a-star

    Anstatt nach dem Unterricht nach Hause zu gehen, besuche ich die Basketball-AG. Doch dies ist keine Belastung nach dem anstrengenden Tag. Ganz im Gegenteil. Man lernt Personen näher kennen, mit denen man in der Schule eher weniger zu tun hat, genießt die Zeit und wendet beim Spiel die neu erlernten Spielzüge und Taktiken an. Die Zeit vergeht wie im Flug und zwei Tage Entspannung stehen vor der Tür. Endlich Wochenende!!!

  2. v1i9k9i8

    Ich finde man freut sich die ganze Woche darauf, dass endlich Freitag ist und wenn man dann endlich die zwei Stunden Sport hinter sich hat und nur noch nach Hause will, muss man noch mal für zwei Stunden in die Schule, dass verdirbt immer etwas die gute Laune am Freitag. Aber wenn man dann nach Hause gehen darf, steigt sie wieder.

  3. flottylotty

    Jetzt hat schon die zweite Woche der Weihnachtsferien begonnen. Noch sechs freie Tage. Dann fängt der Alltag wieder an.
    Früh aufstehen, Bus fahren, mit den Mengen im Marsch, Schule, Lehrer, Freunde, Hofpausen, Mitttagessen, Freizeitaktivitäten…also doch etwas freie Zeit in dem sonst durchgeplanten Alltag. Doch es ist festgelegte, zeitgebundene Freizeit.Was wir mit unserer freien Zeit anfangen ist uns selbst überlassen. Fussball, Schwimmen, Klavier, Trompete. Langeweile ist meist nicht in dem Zeitplan vorhanden.
    Einmal vor ein paar Jahren ist mir nach einer langen Autofahrt ein Licht aufgegangen: Wir hatten mehrere Stunden im Auto gesessen und zum Ende hin hatten wir Kinder alle paar Minuten das dringende Verlangen nach dem Zeitpunkt der Zielerreichung zu fragen. Als wir dann schließlich im Campingplatz eintrafen, sagte ich zu meinem Vater, dass Langeweile eigentlich gar nicht so übel ist. Das klang verrückt, nachdem es im Auto stickig und stinkig geworden war, die Tüten gefüllt mit zerquetschten Sandwishes auf den Sitzen verteilt lagen und die Beine nach Auslauf schrien. Wenn einem langweilig ist, dann weiß man nichts mit sich anzufangen. Im Auto gibt es letzendlich nichts womit man sich die Zeit vertreiben könnte. Denn Versuche wie “Ich sehe was, was du nicht siehst” scheitern kläglich, da einfache Autos nicht durch ihre vielfältige Farbenwelt bekannt sind. So bleibt nach einiger vergangener Zeit nichts anderes übrig, als den Gedanken freien Lauf zu geben. So wie die Hunde von den Leinen zu lassen. Und dieses “Vorsichhindenken” fand ich wohl damals ganz gut. Vielleicht ist es nicht die Langeweile, die man dann genießst, sondern die Zeit, in der man einfach vorsichhindenkt. Diese Zeit würde ich freie Zeit nennen.
    Die Legende besagt, dass Newton die Idee der Anziehung der Himmelskörper hatte, als ihm in seinem Garten ein Apfel auf den Kopf fiel und J.K.Rowling hatte ihren genialen Einfall der Harry Potter-Geschichte während einer simplen Zugfahrt.
    Also noch schöne Ferien! Vielleicht sehen wir uns ja wieder als Mathe und Physikprofessoren und Bestsellerautoren.

  4. superzicke

    Sport und 8 Stunden am Freitag. Eine Qual. Endlich klingelt es. Aufstehen, einpacken, verabschieden. Die Schülermassen drängen sich vom Schulhof bis in die Busse. Ich bin nicht die einzige die nach Hause will. Aussteigen. Über die Ampel gehen. 10 Minuten warten. Einen Schluck trinken. Candy Crush spielen. Der Bus kommt endlich. Es steigen noch andere Schüler ein. 2 jüngere Jungen erzählen sich was sie am Wochenende machen. Ich höre zu. Einer hat ein Fußballspiel, der andere geht mit seinen Eltern ins Kino. Die Stationen plätschern vor sich hin. Ich muss eine früher aussteigen als sonst. Ich laufe zum Bäcker. Anstehen. Ich kaufe 2 Schrippen. Nach Hause gehen. Ich zähle die Schritte. Bei 300 hab ich keine Lust mehr. Weiterlaufen. Tür aufschließen. Ich bin da !