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Todesstrafe-Ein etwas tiefgründigeres Plädoyer

| 21.10.20138 Kommentare » Interessantes, Klasse, Kreatives Schreiben

Schon zu Beginn unserer Debatte im Deutschunterricht zum Thema Todesstrafe hatte ich mich festgelegt; ich bin gegen die Todesstrafe! Gleichzeitig war ich aber bereit, mich auf die dafürsprechenden Argumente einzulassen.
Letztendlich, nach einiger Zeit Unschlüssigkeit, da es ja auch durchaus Punkte gibt, die die Todesstrafe vielleicht rechtfertigen würden, stellte ich aber fest, dass mich nichts von meiner abgeneigten Einstellung abbringen kann, denn wie auch schon in unseren Debatten angeführt wurde, ist die Todesstrafe eindeutig eine Menschenrechtsverletzung.
Jeder hat das Recht auf Leben, selbst solche, die anderen dieses Recht genommen haben. Das klingt vielleicht verwirrend, aber kennt man denn immer den Vorlauf solcher Taten?
Es ist zum Beispiel in Frage zu stellen, ob ein “Mord” absichtlich begangen wurde, oder ob der Täter in der Situation überhaupt zurechnungsfähig war.
Auch ist es fast unmöglich, solche Taten wirklich zu beweisen. Es wird immer ein gewisses Restrisiko bestehen, dass der Angeklagte unschuldig ist. Im Falle einer Gefängnisstrafe kann man das Opfer entschädigen, wie aber soll das bei einem Toten funktionieren?
Als Hintergrundinformation: Jeder Siebte zum Tode verurteilte ist unschuldig, diese Menschen kann niemand mehr entschädigen.
Und was oft vergessen wird: Derjenige, der diese Strafe vollstreckt, steht selbst als Mörder da und müsste nach dem Prinzip “Auge um Auge, Zahn um Zahn”, das oft als Argument für die Todesstrafe angeführt wird, auch umgebracht werden.
So entsteht eine Kette an Morden, an deren Ende letztlich eine menschenleere Welt steht.
Es müsste ein extra Paragraph in den Menschenrechten eingeführt werden, der das Töten von Mördern legitimiert, dies also nicht als erneuten Mord darstellt.
Dieser Paragraph aber müsste wiederum von den Staaten gebilligt werden.
Das aber würde heißen, dass der Staat gegen die eigentlichen Menschenrechte verstößt, und wenn das einmal passiert, dann dauert es nicht lange, bis der nächste Punkt verändert wird.
Bis letztendlich die Demokratie und das Recht auf Entscheidungsfreiheit, oder das Recht auf Freiheit insgesamt abgeschafft wird.
Das mag für manche vielleicht weit hergeholt klingen, für mich persönlich ist es ein weiteres Argument gegen die Todesstrafe.
Es sollte auch beachtet werden in allen Diskussionen um die Todesstrafe, dass Menschen sich bessern können im Leben, aber nicht im Tod.
Wenn man alle schlechten Menschen umbrächte, existierten dann etwa nur noch Gute?
Würde das Schlechte in Vergessenheit geraten, und wäre  es dann nicht mehr zu definieren?
Das Gute und das Schlechte, obwohl die Welt sowieso nicht so leicht in diese zwei Kategorien aufzuteilen ist, sollten immer im Gleichgewicht liegen.
Für mich gibt es eigentlich nichts, was wirklich für die Todesstrafe spräche und ich denke auch nicht, dass mich jemals jemand vom Gegenteil überzeugen wird.
Ich möchte weder jemals über ein Menschenleben entscheiden müssen, noch die Gewissheit haben, dass jemand diese Strafe über mich verhängen kann.

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Kommentare

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8 Kommentare zu „Todesstrafe-Ein etwas tiefgründigeres Plädoyer“

  1. www

    Ich weiß garnicht genau, ob ich für oder gegen die Todesstrafe bin. Es gibt viele Argumente,
    die für und gegen sie sprechen. Viele, die gegen sie sprechen hast du ja schon aufgezählt, aber was ist mit denen die für sie sprechen? Durch die Todesstrafe könnte man vielleicht andere Menschenleben retten und die Gefängnisse wären auch nicht mehr so überfüllt. Aber das größte Argument, weswegen ich eher für die Todesstrafe bin ist, dass der Täter das gleiche Schicksal, wie sein Opfer verdient hat. Die Meisten sagen ja, dass jeder ein Recht auf Leben hat, aber was ist mit dem Opfer? Der Täter hat vielleicht mehrere Menschen umgebracht und dann soll man sein Leben verschonen? Wieso soll man das Leben des Täters höher einstufen als das Leben des Opfers?

  2. flottylotty

    Zu sagen ich bin gegen die Todestrafe ist ziemlich leicht. Doch wir können uns die Situation in der sich Betroffene und Opfer befinden nicht wirklich vorstellen.
    Was lindert die Rachelust? Wie kann man die Trauer der Tochter, des Ehemanns, der Eltern und Freunde besänftigen. Nichts kann die Tat ungeschehen machen. Doch die Bestrafung des Täters lindert möglicherweise den Schmerz.Welche Strafe ist angemessen für welche Tat? Wer entscheidet über welche Strafe?
    Ich persönlich bin gegen die Todesstrafe. Ich bin mir aber nicht sicher ob ich bei meiner Meinung bliebe, wenn ich Angehörige eines Opfers einer Straftat wäre. Würde sich meine Meinung ändern? Würde sich eure Mienung ändern? Wenn dein Bruder, deine Schwester, deine Oma,Opa, dein Vater, deine Mutter, dein Freund, deine Freundin stirbt aufgrund dem sinnlosen Verlangen eines Amokläufers wild unschuldige Menschen zu erschiessen.Würde ich dann noch sagen können: Dieser Täter hat das Recht zu leben, obwohl er es meiner besten Freundin genommen hat?
    Breivik der Massenmörder aus Norwegen, Osama Bin Laden, James Holmes, der Mann der in der Batman-Premiere 12 Menschen tötete, Adam L., der Mann der in einer Grundschule 20 Kinder zwischen 5 und 10 jahren,6 Erwachsene und seine eigene Mutter erschoss.Was wenn unter den Kindern der Sandy Hook Grundschule in Newtown deine kleine Schwester, dein kleiner Bruder dabei gewesen wäre? Wenn einer der erschossenen Lehrer deine Mutter, dein Vater wäre?
    Das klingt alles ziemlich drastisch und brutal, doch für genau diese Angehörigen ist es Realität. Dem sollte man sich, wenn man zum Thema Todesstrafe Stellung bezieht, im klaren sein.

  3. superzicke

    Ich bin mir auch nicht so sicher ob man dieses Thema einfach so abhandeln kann. Was ist wenn du wirklich die Angehörige eines Mordopfers bist? Würdest du dann einfach sagen: Ja dieser Mensch hat sein Leben wirklich verdient.
    Ich bin unendlich froh, dass ich nicht in der Lage stecke entscheiden zu müssen ob die Todesstrafe verhängt werden sollte. Denn ich kann es nicht. Ich weiß nicht ob ich dafür oder dagegen bin. Genau die Menschen die Lotti in ihrem Kommentar geschreiben hat, haben mir Tränen in die Augen gebracht und ich gehöre weder zu den Opfern, deren Angehörigen oder kenne auch nur irgendeinen Menschen der irgendwie mit ihnen in Verbindung steht. Wie schlimm muss das Trauma für ein Kind sein, dass Breivig überlebt hat? Wie sehr sind die Eltern in Trauer deren Kind von einem der 9 deutschen Amokläufer ermordet wurde? Was wünsche ich demjenigen der eine Autbombe neben meiner Schwester gezündet hat?

    Außerdem möchte ich noch eine inhaltliche Korrektur anmerken: Ein geplanter Tötunsdelikt ist ein Mord, und eine aus dem Affekt passierende Tötung, die du in deinem Artikel als Mord bezeichnest ist, ist eigentlich Totschlag. Bei jedem dieser Verbrechen wird ein psychologisches Gutachten für den Täter erstellt, dass sehr wohl feststellen kann ob ein Täter zurechnungsfähig war oder nicht. Hier in Deutschland wurden außerdem im Jahr 2008 96,7 Prozent der Morde und 97,6 Prozent aller Totschläge sicher aufgedeckt.

    Ich teile deine Meinung nicht, da ich mir selbst versuche eine Meinung zu bilden, es aber einfach nicht kann. Ich stecke nicht in der Lage der Opfer oder Täter, in der der Staatsgewalt, die zu entscheiden vermag, ob man andere Menschen töten darf oder nicht. Und zulezt bleibt auch die paradoxe Frage, ob ein Mensch sich selbst den Tot wünscht nachdem er jemand anderem das Leben genommen hat.

  4. sweetheart

    In den letzten Unterrichtsstunden haben wir darüber debattiert, ob man die Todesstrafe einführen sollte oder nicht.

    Ich halte an meiner Meinung fest das so Leute, wie z.B. Massenmörder und Vergewaltiger getötet werden sollten. Denn wenn man solche Leute getötet hat ist sichergestellt, das sie niemanden mehr töten werden. Außerdem konnten mich Argumente, wie z.B. das Familien auseinander gerissen werden oder das mit der Todesstrafe die Menschenrechte verletzt werden, nicht überzeugen. Wenn nämlich ein Mensch einen anderen tötet und das Opfer hat eine Familie, wird diese auch auseinandergerissen. Außerdem wird in einem Mordfall das Recht des Opfers auf Leben vom Mörder ignoriert, also wieso sollte man das Recht des Mörders beachten.

    Deshalb finde ich sollte man die Todesstrafe einführen.

  5. fanboy

    Eine Todesstrafe ist in meiner Sicht unnötig, denn wenn ich eine Chance habe weiter zu leben, würde ich mich der Polizei stellen und meine Strafe absitzen oder gar durch gute Führung frühzeitig entlassen werden. Aber wenn ich weiß, dass wenn ich mich jetzt ergebe und die Todesstrafe bekomme, würde ich alles tun um am Leben zu bleiben, ich würde sogar mehr Menschen töten als ich es mir überhaupt vorgenommen habe. Doch kann ein Gefängniss, wirklich einen Menschen verändert?

  6. kiwi

    Ein weiteres Argument ist der Punkt der Strafe. Es ist weder schön umgebracht zu werden, noch im Gefängnis zu leben, allerdings geht es bei einer Strafe ja auch nicht um das angenehmste, sondern um das Einsehen. Wofür gibt es denn überhaupt Strafen? Ich denke, dass jemand bestraft wird, für eine Tat, damit er Zeit hat sich Gedanken zu machen, am Ende einzusehen und wieder gut zu machen. Wenn jemand umgebracht wird, wie soll er dann einsehen? Deshalb denke ich, dass das Gefängnis eine bessere Lösung ist. Die Person wird bestraft, trozdem lebt sie weiter. Nach einem längeren Gefängnisaufenthalt werden die wenigsten genauso weiter machen wie vorher.

  7. a-star

    Die Todesstrafe ist keine Lösung für Probleme und hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Das ist meine Meinung. Aus meiner Sicht ist es einfach unmenschlich den Tod als Option für die Bestrafung anderer zu sehen. Der Staat soll und darf nicht Richter über Leben und Tod sein. Außerdem werden zu viele Fehlentscheidungen getroffen, das sind die sogenannten Justizirrtümer. Statistiken besagen, dass jeder 7. unschuldig ist. Vielleicht ist das genau der Grund, warum die Rate der begonnenen Straftaten in Staaten ohne Todesstrafe niedriger als in Staaten mit Todesstrafe ist, was ebenfalls in Statistiken zu finden ist. Die Personen, die so eine Strafe planen und vollziehen, sind ebenfalls Täter. Womit unterscheidet sich dann überhaupt die Person, die die Hinrichtung durchführt von dem Straftäter?

  8. funnypfirsich

    Die Todesstrafe wird bisher noch in 93 Ländern verhängt. Deutschland gehört nicht dazu. Die Bevölkerung ist auch nicht für eine erneute Einführung, genauso wie ich.
    Doch bei Mördern zum Beispiel: Wer tötet hat sein eigenes Leben verwirkt. Wieso sollte das Leben des Täters höher eingestuft werden, als das des Opfers? Ich sitze bei diesem Thema zwischen zwei Stühlen. Einerseits bin ich dafür, andererseits dagegen, denn es gibt überzeugende Argumente für beide Seiten.

    Was für mich dagegen spricht ist, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Außerdem zerstört es Familien. Die Vorstellung, dass jemand aus meiner Familie zum Tod verurteilt wird, wäre fast das Schlimmste was ich mir denken könnte.
    Doch Argumente, die dafür sprechen sind, dass die Bevölkerung endgültig vor dem Täter geschützt ist. Manchmal ist es auch eine Erlösung für den Täter.

    Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich nun dafür oder dagegen bin. Aber ich weiß, dass ich froh bin, dass die Todesstrafe hier in Deutschland nicht mehr existiert.