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Nathan der Weise

| 08.08.20133 Kommentare » Ausflüge, Veranstaltungen

So manch einer wird wohl schon mal von Nathan dem Weisen gehört haben. Gotthold Ephraim Lessing hat dieses Drama 1779 veröffentlicht. So ganz allleine hat er sich diese Geschichte über die gegenseitige Toleranz der Weltreligionen aber nicht ausgedacht. Bei der berühmten Ring-Parabel hat er sich bei früheren Werken, die diese Parabel enthielten, bedient. Doch darumherum schrieb er diese eine Geschichte von Nathan, die diese Parabel erst so richtig verständlich macht. Sie zeigt, dass keine Religion mehr wert ist als eine andere.
Bei der Ring-Parabel handelt es sich um eine Geschichte, die Nathan als Frage auf die Antwort, welches die beste Religion sei, erzählte:  Ein Mann ließ einst einen kostbaren Ring fertigen und schenkte ihn bei seinem Tod dem Sohn, den er am liebsten hatte. Der schenkte ihn wiederum seinem liebsten Sohn und so weiter. Doch nach 200 Jahren konnte ein Vater sich einfach nicht entscheiden, welchem seiner drei Söhne er den Ring geben soll. Also ließ er Duplikate anfertigen, die genau so aussahen und genauso wertvoll waren. Der Vater schenkte jedem seiner Söhne einen Ring, ohne dass die anderen davon wussten. Als er dann starb und sie einander davon erzählten, dass sie der liebste seien, gerieten sie in einen Streit, als sie bemerkten, dass jeder einen Ring bekommen hatte. Welcher Sohn war den jetzt der beste, der auserwählte?

Viele werden jetzt sicher schon die Parallen zwischen den drei Weltreligionen, Christentum, Islam und Judentum, und den drei Söhnen hergestellt haben. Wenn es diesen einen Gott, Allah, Jave oder wie man ihn auch sonst nennen mag, wirklich gibt, warum sollten ihm die einen Menschen lieber sein als die anderen? Liebt dieser denn dann nicht alle Menschen, im Sinne aller Gottesschriften?

Mit dieser Problematik befasst sich also das Drama Nathan der Weise, von dem wir eine Adaption im Kinder- und Jugendtheater Strahl gesehen haben. Zusammen mit dem ganzen Jahrgang und interessierten Schülern der 9. 11 schauten wir uns dieses Stück an, das natürlich nicht nur von der Ring-Parabel, sondern noch um sehr viel mehr geht. Doch sie fasst den Kern der Geschichte zusammen.
Ein junges Mädchen verliebt sich in einen Tempelritter und der sich in sie. Doch sie ist eine Jüdin und er ein Christ. Der Tempelritter hat Gewissensbisse und berät sich mit Nathan dem Weisen, der auch der Vater des Mädchens Recha ist. Nathan sagt, zuerst sei man Mensch und erst danach Christ, Jude oder Moslem oder was auch immer.
Im Laufe der Zeit tun sich aber Zweifel auf, ob Nathan wirklich der Vater des Mädchens ist. Er besitzt ein Buch, in dem die ganze Wahrheit über Rechas Herkunft steht. Als dieses Buch zufällig dem Sultan Saladin in die Hände fällt, erkennt er es wieder. Gemeinsam mit Recha und Kurt dem Templer öffnen sie es und erfahren darin, dass der verschollene Bruder des Sultans zwei Kinder gezeugt hat. Als deren Mutter aber starb, gab er eines an seinen guten Freund Nathan und das andere wurde von einem Verwandten erzogen und Kurt genannt. Eins fügt sich zum anderen. Kurt und Recha sind Geschwister und der Bruder des Sultans der Vater. Recha ist jüdisch erzogen worden, Kurt christlich und der Vater der beiden war ein Muslime. Damals unfassbar. Doch sind sie deswegen weniger eine Familie?

Doch wie Nathan schon sagte, erst ist man Mensch und dann Angehöriger einer Religionsgemeinschaft.  Und mein Bruder bleibt mein Bruder, egal ob Christ, Moslem, Jude, Hindu, Buddhist, Anhänger der Lehren des Konfuzius… Oder?

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Kommentare

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3 Kommentare zu „Nathan der Weise“

  1. blume

    Ich fand das Theaterstück sehr schön. Ich fand es auch sehr interessant.
    Den Kern des Stückes unterstütze ich auch sehr. Wiso sollte eine Religion besser sein als eine andere?
    Für jeden ist doch seine Religion DIE Religion und es geht mich doch nichts an woran der andere glaubt und woran nicht. Wenn jemand mir sagen würde, wiso hast du deine Religion(oder auch nicht) meine ist doch viel besser. Ich glaube ich würde ihn einfach ignorieren oder das Thema wechseln.
    Hat das wirklich Kriegpotential?

  2. ashley

    Ich finde es schade, dass junge aber auch alte Menschen, meinem Gefühl nach, immer mehr nach den Religionen urteilen. Alle Religionen haben den gleichen Ursprung. Ich finde es wichtig, dass wir Schüler etwas darüber lernen und begreifen, wie gleich alle Glaubensrichtungen doch eigentlich sind. Da viele Menschen dieses Theaterstück besucht haben, hoffe ich, dass sie auch etwas fürs Leben gelernt haben. Also ich auf jeden Fall! :-)

  3. fanboy

    Ich hab lange über das Thema: Religion nachgedacht. Nach und nach habe ich gemerkt, dass die Religion uns die Vernunft, aber auch uns das gewisse “Böse” gebracht hat. Die Religion wurde von vielen Leuten ausgenutzt, sogar heute noch wird die Religion durch den Dreck gezogen. Traurig, dass wir aus etwas gutem, etwas schlechtem machen.