Zum Inhalt

MoPo Einmal um die ganze Welt

| 12.06.20132 Kommentare » Interessantes, Klasse, Veranstaltungen

Jeder kennt den Song “Einmal um die Welt” von Cro. Es war eine ganze Zeit lang mein Lieblingslied. Einmal um die Welt zu fahren, die tollsten Orte der Welt zu besuchen, wer träumt denn nicht davon? Einmal im Leben in einem Dschungel sein, Elefanten, Tiger und Affen in ihrer natürlichen Umgebung sehen und nicht immer nur die traurigen Tiere im Zoo! Mal auf einem Kamel durch die Wüste reiten, Giraffen in der Savanne beobachten oder zu den Bären fahren. Die Naturwunder unserer Erde anschauen; Ayers Rock, Amazonas, Regenwald, Halong Bay, Iguazu Wasserfälle, Puerto-Princesa Untergrundfluss. Und die Metropolen dieser Welt! Städte wie New York, Sydney, Rom, Tokio!  Sich angucken, wie die Menschen leben! Die unterschiedlichen Kulturen! Überhaupt mal fühlen, mal spüren, wie groß und weit die Welt ist!

In den Sommerferien werden viele von uns einen neuen Teil der Welt für sich entdecken. Wir fahren nach Frankreich, Spanien, Griechenland, in die USA, nach Polen, in die Schweiz, an den Bodensee. Noch bevor die Reise überhaupt starten kann, hat uns schon das Reisefieber gepackt. Und dann geht’s los; egal ob übers Wasser, durch die Luft, über Asphalt, auf  Schienen oder gar zu Fuß – Ferienzeit ist Reisezeit. Doch was ist mit denen, die nicht wegfahren, die in Berlin bleiben? Kein Grund zur Trauer. Na gut, fast kein Grund. Berlin ist immerhin ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt.  Millionen Gäste können nicht irren! Sicher wird sich dabei für uns Berliner auch das eine oder andere entdecken lassen. Das Deutsche Historische Museum (DHM) zum Beispiel lädt das ganze Jahr über zu Zeitreisen der besonderen Art.

Die aktuelle Ausstellung bittet die Besucher zu einer Reise “Rund um die Welt“. Dafür muss man aber keine Koffer packen, und Kinder und Jugendliche haben sogar freie Fahrt (Eintritt frei). Plakate, die aussehen wie Märchenbuch-Illustrationen, wecken die Fernweh, die Sehnsucht des Betrachters nach dem Abenteuer. Andere, zum Beispiel die Plakate für Schiffsreisen mit der Hamburg-Amerika-Linie sind richtige Kunstwerke, die in ihrer Gestaltung über den Anspruch Werbung zu sein weit hinausgehen.

Die ausgestellten Exponate aus den 20er, 30er, 50er und 60er Jahren erzählen von den Sehnsuchtsorten der Menschen jener Zeit, von ihren Lebensumständen und ihrem Lebensgefühl. Sie erzählen auch davon, wie sich das Verreisen von einer exklusiven, luxuriösen Angelegenheit zu einem Massenphänomen entwickelte. Die Menschen wurden mobiler, und die Mobilität wurde erschwinglich. Während  in den 20er Jahren viel per Zug und Schiff gereist wurde, etablierte sich nach und nach das Flugzeug als ein wichtiges Verkehrsmittel des Tourismus. In der Wirtschaftswunderzeit begannen die Menschen zu ihrer Erholung reisen. Dienten Reisen davor hauptsächlich der Bildung oder der Gesundung, so verreisten die Menschen nun aus Spaß an der Freude und aus reiner Neugier. Die heimatlichen Sehenswürdigkeiten und abwechslungsreichen Landschaften waren als Reiseziele hoch im Kurs, aber die Menschen begannen auch sich in Scharen hinaus in die große weite Welt zu wagen.

Insgesamt hat das Deutsche Historische Museum rund 75 000 Plakate in seinem Bestand. Rund 1500  davon sind Tourismusplakate, von denen wiederum nur etwa 250 in dieser Ausstellung gezeigt werden.

Aber woher kam die Idee für  die Ausstellung? Von wem ist das Material? Und wie viel kostet das Ganze überhaupt? Herr Dr. Vorsteher-Seiler, der Sammlungsleiter des DHM empfing uns zum Gespräch. Dass die Planung, Vorbereitung und Durchführung einer Ausstellung  sehr aufwändig ist, dachten wir uns schon. Über ein Jahr lang wurde an der Konzeption dafür gefeilt. Die Plakate mussten ausgewählt werden, die Begleitbroschüre wurde erstellt, die Werbung geschaltet… Und dann wurde die Ausstellung eröffnet. Wir erfuhren, dass das DHM eine Stiftung ist, die  jährlich über ein Budget von 20 Millionen Euro verfügt. Die Kosten für „Rund um die Welt“ belaufen sich auf 75 000 Euro. Heute ist das Reisen ein fester Bestandteil unseres Lebens. Die Geschichte des Verreisens gehört zum nationalen Gedächtnis. Dieses zu pflegen, indem die Entwicklung des Reisens aus kulturgeschichtlicher Perspektive aufgezeigt wird, ist, so Herr Dr. Vorsteher-Seiler, ein Anliegen der Ausstellung. Die meisten Plakate dafür stammen aus privaten Sammlungen. Sie kamen aber nicht ohne Schäden ins Deutsche Historische Museum. Fehlstellen, Risse, Verschmutzungen, Verfärbungen, Wasserflecken zum Beispiel kommen bei Papierprodukten häufig vor. Um sie trotzdem ausstellen zu können, müssen diese  Plakate  in der Restaurationswerkstatt ausgebessert und verstärkt werden.

Da man den Plakaten in der Ausstellung kaum ansieht, wie alt sie wirklich sind, fragten wir uns, wie diese Plakate wieder fit gemacht werden. Herr Nützmann ist als Restaurator tätig und zeigte uns an mehreren Beispielen die unterschiedlichen Korrekturmöglichkeiten. Plakate, denen der Zerfall droht, müssen mit stabilerem Papier  hinterklebt werden. Dafür eignet sich besonders gut Japanpapier. Es ist trotz seiner Feinheit sehr reißfest und stabil. Japanpapier wird aus den Fasern der  Gampi-, Kozu- und Mitsumata -Sträucher gewonnen. Der Prozess der Restauration kann ein paar Stunden oder aber auch einige Monate dauern. Wenn das Plakat dann wieder wie neu aussieht, kommt es in ein Passepartout, geht zurück in die Sammlung und wird irgendwann einmal vielleicht Bestandteil einer Ausstellung.

Wenn einer eine Reise macht, so kann er was erleben! Das wird oft zitiert. Was aber ist, wenn Menschen sich nicht aus Abenteuerlust auf den Weg machen, sondern gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen? Nach „Rund um die Welt“ unternahmen wir in der benachbarten Ausstellung eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger und die Jahre 1933 bis 1945. „Zerstörte Vielfalt“ – der Titel lässt schon vermuten, dass es hier nicht um das Heile-Welt-Gefühl gehen wird. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden den Menschen wichtige Grundrechte wie Selbstbestimmung, freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit entzogen. Im Ergebnis dieser Diskriminierungen mussten Menschen, die nicht den nationalsozialistischen Vorgaben entsprachen, ihre Heimat Deutschland verlassen, sofern sie es sich leisten konnten. Für andere begann die Reise in den Tod.

Zwei Ausstellungen des DHM, die im Pei-Bau zu sehen sind, die unterschiedlicher nicht sein können und trotzdem etwas gemeinsam haben: Sie zeigen Kultur in Bewegung. Wir sagen, die Reise ins Museum lohnt sich! Wer mit offenen Augen unterwegs ist, wird immer und überall etwas Neues entdecken.

“Einmal um die Welt” – Zumindest um die halbe geht es im nächsten Jahr, wenn unsere seit langem geplante und heiß ersehnte Klassenfahrt  nach Japan stattfindet. In Gedanken befanden wir uns bereits dort, als wir die alten Tourismusplakate von Japan in der Ausstellung bewunderten.

Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf die Sommerferien. Egal wo wir sind, egal was wir tun – schön in Bewegung bleiben! Allen, die unterwegs sind in der Welt und in Gedanken, eine gute Reise!

Unseren “Reiseleitern” im DHM, Herrn Alexander Tiedge und Frau Jula Danylow, herzlichen Dank für ihre kompetente Betreuung. Der Besuch war lehrreich UND hat Spaß gemacht!

Schlagwörter für diesen Artikel:

,

Kommentare

Kommentare sind nur innerhalb von 30 Tagen nach Veröffentlichung des Artikels möglich. Dieser Zeitraum ist nun leider vorüber.

2 Kommentare zu „MoPo Einmal um die ganze Welt“

  1. superzicke

    Ich habe gerade auch diesen, unseren Artikel auf der Internetseite von der Morgenpost entdeckt.
    http://www.morgenpost.de/schueler/article117141766/Eine-Reise-um-die-Welt-in-250-Plakaten.html
    Hier ist er in einer leicht veränderten Form veröffentlicht, aber ich konnte zum Beispiel noch meinen Teil, bzw. meine Sätze herauslesen. Wenn ich dann sehe, dass ein Artikel von unserer Klasse mit ein paar Sätzen von mir in einer großen Zeitung veröffentlicht wurde, macht mich das schon stolz und finde, dass es sich absolut gelohnt hat.

  2. v1i9k9i8

    Ich finde der Text ist richtig gut geworden. Natürlich hab ich mir die Zeitung gekauft und wenn ich mir den Artikel angucke, bin ich sehr stolz, dass ich den Anfang geschrieben habe. Der Anfang von dem Text habe ich nicht extra für diesen Artikel geschrieben, sondern einfach so und der Anfang hat dann super zu diesem Artikel gepasst.