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Gespräch mit der Zeitzeugin Sigrid N.

| 08.06.2011Kommentare deaktiviert Interviews, Projekte

Geführt von Carlotta F. und Antonia W.

Ich heiße Sigrid und wurde 1953 geboren. 1961 war ich acht Jahre alt. Mein Vater, meine Mutter und ich hatten das Glück in West-Berlin zu wohnen, die in der DDR hatten es um einiges schlechter.

Mein Vater, meine Mutter und ich gingen an  vielen Wochenenden zu meiner Tante nach Ost-Berlin. Dort halfen wir ihr in ihrem großen Garten.  Doch ab der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 war dieses nicht mehr möglich, denn eine Mauer durchzog Berlin. Deutschland wurde in drei Teile gerissen: BRD, DDR und West-Berlin. Diese Mauer wird niemand so schnell vergessen.

Familien wurden zerrissen. So wurde auch meine Familie getrennt.

Die Eltern meines Vaters, also meine Großeltern, die wir manchmal besucht haben, konnten wir nun nicht mehr besuchen, so auch meine Onkel und Tanten.

Die Westberliner durften auch nicht ins Umland. So durfte mein Vater nicht seine Schwester besuchen, als diese im jungen Alter starb und die Beerdigung stattfand. Wegen der Mauer konnten wir auch nicht mehr unserer Tante im großen Garten helfen. Meine Tante war schon alt und konnte sich nicht allein um den Garten kümmern, so musste sie ihn leider weggeben.

Trotzdem durften wir mit unserer Verwandtschaft telefonieren, doch wir mussten uns vorher anmelden und nach ein paar Stunden war die Verbindung möglich, aber man musste damit rechnen, dass die Stasi mithörte.

Uns Kindern hat es an nichts gefehlt, anders bei den Menschen im Ostteil Berlins. Am Weihnachtsfest haben wir Lichter aufgestellt und haben an Ost-Berlin gedacht. Und wir haben auch jeden Monat für die Menschen in der DDR im Ostteil Berlins Päckchen mit Lebensmitteln wie Kakao und Kaffee, was es in der DDR nicht gab, rübergeschickt.

Es war der 9. November 1989. Ich hätte nie gedacht, dass die Mauer je fallen wird. Doch es geschah an genau diesem Tag. Ich hörte es morgens im Radio: „ Die Mauer ist gefallen.“

Inzwischen ist nicht nur die Schwester meines Vaters, sondern auch meine Oma gestorben. Den Rest meiner Familie haben wir dann aber besucht.Für die Kinder in Lichtenrade, darunter auch meinen Sohn, der beim Fall der Mauer 8 Jahre alt war (so alt, wie ich beim Bau derselben), war es ein großes Erlebnis in den Wäldern, in die sie vorher nicht hinein durften, und bei den Tümpeln zu spielen.

Doch auch nach dem Mauerfall sind dort noch Unfälle passiert. Schreckensnachrichten wurden dort, wo die Mauer stand, verbreitet:

So verlor ein Junge verlor durch einen herabfallenden Mauerstein sein Leben.

Ein anderer Junge verlor durch die Ruinen der Mauer seinen Arm.

Und da die Landschaft am Ort sehr kahl war, pflanzten Kinder und Jugendliche, darunter mein Sohn, Bäume.

Die Bäume stehen heute noch und da wo eine Mauer Herzen zerrissen hat, führt ein Weg durch die Landschaft.

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