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Interviewbericht-Gespräch mit dem Zeitzeugen Herrn Uwe F.

| 02.06.2011Kommentare deaktiviert Interviews, Projekte

Jeweils zwei aus meiner Klasse hatten gemeinsam die Aufgabe, zusammen ein Interview zum Thema Mauer mit einem Zeitzeugen zu führen. Meine Freundin und ich interviewten hierzu Herrn Uwe F. Er konnte uns viel über die Zeit und das Leben mit der Mauer erzählen. Bis heute wohnt er direkt am Mauerstreifen. Daher konnte er bei unserem Gespräch zeigen, wo  die Mauer am Ende seines Gartens stand. Dieses und vieles mehr, wie zum Beispiel unser Zeitzeuge von der DDR nach Westberlin geflohen ist, kann man hier lesen.

Fragen:

tieraerztin: Wo lebten sie früher? In der BRD, DDR oder Westberlin?

Herr Uwe F.: Ich lebte bis 1960 in der DDR, bin dann in die Bundesrepublik geflohen. Im Jahre 1964 bin ich dann schließlich nach Westberlin gezogen, wo ich heute noch lebe.

jezzy: Nehmen wir an, Sie lebten in der DDR und die Mauer stünde noch. Was würden Sie tun? Sich dem politischen System anpassen oder versuchen zu fliehen?

Herr Uwe F.: Ich würde versuchen zu fliehen.

tieraerztin: Wie alt waren Sie, als die Mauer gebaut wurde?

Herr Uwe F.: Als die Mauer gebaut wurde, war ich gerade 18 Jahre alt.

jezzy: Wo waren Sie gerade, als die Mauer gebaut wurde, und wie haben Sie davon erfahren?

Herr Uwe F.: Ich war gerade in Westberlin und hatte es aus dem Westfernsehen erfahren.

tieraerztin: Sie sind aus der DDR geflohen. Können Sie uns etwas über Ihre Flucht erzählen?

Herr Uwe F.: Stimmt, ich selbst bin aus der DDR geflohen. Zusammen mit meinen Brüdern und meinen Eltern bin ich von Magdeburg, wo ich damals lebte, nach Ostberlin gefahren. Dort sind wir in die S-Bahn gestiegen und am Grenzbahnhof haben wir den Zug einfach nicht verlassen, sondern sind weiter nach Westberlin gefahren. Dies war nicht ungefährlich. Wären wir kontrolliert worden, wären wir sicherlich ins Gefängnis gekommen. Wir wählten für unsere Flucht einen besonderen Tag, an dem in der DDR ein Staatsbegräbnis angesetzt war und somit sehr viele Polizisten und Wachsoldaten hierfür eingesetzt wurden und uns so nicht kontrollieren konnten. Unsere Flucht verlief deshalb auch problemlos. Wir wurden nicht überprüft.

Wie viele Flüchtlinge sind wir zunächst in das Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde gebracht worden.

jezzy: Was sind Ihre Erinnerungen an die Mauer?

Herr Uwe F.: Ich habe noch viele Fotos von der Mauer, von denen ich Euch gerne ein paar leihe.

tieraerztin: Wurde Ihre Familie durch die Mauer getrennt?

Herr Uwe F.: Ja, wir wurden von meiner Oma getrennt, die wir auf der Flucht nicht mitnehmen konnten. Da sie allerdings bereits in Rente war, erhielt sie die Ausreiseerlaubnis und konnte wenig später zu uns kommen. Die Trennung war überwunden.

jezzy: Wie war Ihr Verhältnis zu den Alliierten?

Herr Uwe F.: Ich hatte kein besonderes Verhältnis zu den Alliierten. Ich selbst lebte im amerikanischen Sektor und hatte keinerlei Probleme mit den hier stationierten amerikanischen Soldaten.

tieraerztin: Waren Sie selber bei den Montagsdemonstrationen dabei?

Herr Uwe F.: Da ich zu dieser Zeit bereits in Westberlin lebte und nicht mehr in der DDR, habe ich nicht an den Montagsdemonstrationen teilgenommen.

jezzy: Wo waren Sie gerade, als Sie hörten, dass die Mauer gefallen ist?

Herr Uwe F.: Ich war gerade beim Abendessen und habe es in den Nachrichten gehört.

tieraerztin: Was wäre heute anders, wenn es die Mauer nicht gegeben hätte?

Herr Uwe F.: Oh, das ist ziemlich schwer sich vorzustellen: Wenn es die Mauer nicht gegeben hätte, wären wir vielleicht nicht aus Magdeburg geflohen, sondern dort geblieben. Andererseits sind vor dem Mauerbau so viele Menschen aus der DDR geflohen, dass die DDR ohne den Bau der Mauer vielleicht nur noch ein weiteres Jahr existiert hätte und dann die politische Führung zusammengebrochen wäre.

jezzy: Was würden Sie tun und wie würden Sie leben, wenn es die Mauer noch gäbe?

Herr Uwe F.: Die Weltpolitik wäre dann sicherlich heute anders. Die Bürger in der DDR hätten es dann sicherlich noch viel schlechter.

tieraerztin: Haben sie, weil sie ja früher so nahe an der Mauer wohnten, gesehen wie Menschen versucht haben über die Mauer zu flüchten?

Herr Uwe F.: Direkt bei unserem Haus ist niemand über die Mauer geflohen, aber 2 km von uns entfernt sind 2 Menschen der DDR entkommen.

tieraerztin: Finden Sie es gut, dass wir das Projekt „Denkmal aktiv“ machen?

Herr Uwe F.: Ja, ich finde es sogar sehr gut, denn dieses menschliche Drama darf nicht vergessen werden.

Wir bedankten uns nochmals recht herzlich dafür, dass wir die Gelegenheit hatten, Herrn Uwe F. zum Thema „Mauer“ im Rahmen unseres Projekts „Denkmal aktiv“ zu interviewen. Natürlich finden wir es toll, dass er zur Ausstellungseröffnung kommen will. Dort können sich dann alle mit ihm über seine Erlebnisse unterhalten. Jezzy und ich freuen uns schon darauf, ihn dann wieder zu sehen. Wir hatten einen interessanten Nachmittag bei ihm.

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