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Gespräch mit dem Zeitzeugen Manfred Z., geb. 1956

| 30.05.20111 Kommentar » Interessantes, Interviews, Klasse, Projekte

Dass mein Vater  ein richtiger, waschechter Zeitzeuge aus der DDR ist, das kann ich eigentlich nicht richtig realisieren. Ich finde, dass es was Unglaubliches ist, was früher einmal passiert ist.  Ich habe ihn interviewt, weil er eine wirklich interessante Geschichte hat.  Er war einmal Grenzsoldat und ist aus der DDR geflüchtet. Ich könnte mir seine Geschichte tausendmal anhören, da sie immer wieder interessant ist.

Wann wurden Sie geboren?

„ Ich wurde am 13.August 1956 in der DDR geboren.“  

Wie alt waren Sie als die Mauer gebaut wurde?

„ Als die Mauer gebaut wurde war ich 5 Jahre alt“

Haben Sie den Mauerbau überhaupt schon richtig wahrgenommen?

„ Nein, nicht wirklich. Ich war ja auch noch sehr klein.“

Hat der Mauerbau sie mit Freunden, Verwandten oder ihrer Familie auseinandergerissen?

„Ja leider, mit meinem Onkel, meiner Tante und noch vielen Freunden.“

In welchem Teil Deutschlands haben sie denn früher gelebt?

„Ich habe als Kind in der damaligen DDR gewohnt, am Alexanderplatz, Mit 18 Jahren bin ich dann in den Westen geflüchtet.“

Hätten sie vielleicht lieber in einem anderen Teil Deutschlands gelebt?

„ Als Kind fand ich den Osten ganz OK, doch als ich dann älter wurde,  wollte ich natürlich im Westen leben.“

Gab es irgendwelche Vor- und Nachteile ihrer Meinung im Osten?

„Ja, also Nachteile gab es schon ziemlich viele wie zum Beispiel kein Fernseher (wenn man einen hatte konnte man nur Ostfernsehen sehen), kaum Telefon, wenig Obst und nicht so viel zu Essen. Vorteile gab es aber auch, wir haben zum Beispiel mehr Sport in der Schule gemacht und  eine gute Erziehung gab es auch.“

Haben sie noch Erinnerungsstücke an die Zeit im Osten?

„Ja, ich habe ein Foto wo ich Grenzsoldat bin, weil ich mit 17 Jahren Grenzsoldat war. Ich habe auch noch meinen Lehrvertrag und meine Zeugnisse.“

Sie sind doch damals aus dem Osten nach Westen geflüchtet, könnten sie mir dazu vielleicht was erzählen?

„ Also ich bin mit 18 Jahren aus dem Osten geflüchtet. Dort,  wo ich Grenzsoldat war, mussten immer zwei Männer für eine Woche die Grenze bewachen. Die Männer waren immer nur eine Woche zusammen, dass sich keine Freundschaft entwickeln konnte. In der einen Woche,  wo ich mit einem netten Mann zusammen an der Grenze stand, haben wir uns ziemlich gut verstanden. Da wir beide vom Osten weg wollten,  hatten wir eine Flucht geplant, aber dass war ziemlich schwierig, weil wir erst wieder nach Monaten zusammenkamen. Ich dachte schon,  dass wir nie wieder zusammenkamen, aber kamen wir. Als wir dann endlich flüchten wollten, war dies wiederum sehr schwer, da wir Hundesperren und Minengürtel überwinden mussten. Als wir dann im Osten waren sind wir erstmal 1 Stunde dort rumgelaufen,  bis wir schließlich mitten in der Nacht eine Kneipe gefunden haben. Da die Leute dort drinnen erkannt haben, dass wir Grenzsoldaten aus dem Osten sind, kam der Bundesgrenzschutz und hat uns erstmal nach München zur Nato geschickt. Nach 6 Wochen mussten wir nach Gießen oder wenn wir uns nachweisen konnten,  durften wir dort leben. Ich konnte mich nachweisen und habe dort dann eine kleine Wohnung bekommen.“

Warum sind Sie denn überhaupt geflüchtet?

„ Ich und mein Freund wollten ein anderes Leben, auch mal reisen, ein Auto besitzen und auch einen Fernseher, einfach frei sein!“

Wie lange haben Sie dann noch dort im Westen gelebt, bis die Mauer fiel?

„Ca. 10 Jahre“

Wo haben sie dann im Westen gelebt?

„In Gelsenkirchen (BRD)“

Waren sie denn auch traurig, weil Sie von ihrer Familie und Freunden getrennt waren?

„Ja, ich dachte am Anfang,  dass ich sie nie wieder sehen werde.“

Wie haben sie dann durch den Mauerfall erfahren?

„Durch das Fernsehen.“

Wie lange hat es dann gedauert, bis Sie in den anderen Teil Deutschlands gekommen sind?

„Ich bin sofort zu meiner Familie gefahren“

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Kommentare

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Ein Kommentar zu „Gespräch mit dem Zeitzeugen Manfred Z., geb. 1956“

  1. a-star

    Diese aufregende Geschichte des Zeitzeugen Manfred Z., hat mich ernsthaft beeindruckt und von den Gefahren, die man überwinden muss, um in den anderen Teil zu flüchten, bewusst gemacht. Hoffentlich kommt es nie wieder zu einer Teilung.