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Paul-Löbe-Haus – Foto

| 26.10.2015Kommentare deaktiviert Ausflüge, Galerie, Interessantes, Interviews, Klasse, Projekte, Veranstaltungen

Die Zeit ist abgelaufen…

| 16.07.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Klasse

Unser letztes gemeinsames Jahr liegt nun hinter uns: Heute bekamen wir unsere Zeugnisse, nach den Ferien gehören wir zu den Oberstufenschülern, und dann verlassen uns noch zwei Mitschülerinnen aus unserer goldenen Mitte – eine turbulente Zeit und ein ebenso turbulentes Ende!

Meiner Meinung nach, hoffentlich spreche ich hier nicht nur von mir, begreife ich erst jetzt, dass eine ereignisreiche, sechs Jahre lange Ära zu Ende geht. Es würde mich freuen, wenn der Kontakt zwischen uns Schülern nicht abbrechen würde, auch wenn wir nicht die gleichen Kurse oder Schulen besuchen (oder uns sogar in verschiedenen Ländern befinden.)
Andrea und Jasmin wünsche ich einen erfolgreichen Lebensweg, mögen ihre Träume wahr werden.

Zum Schluss dieses letzten Artikels in unserem eigenen Blog, den wir fast so lange haben, wie wir eine Klasse sind, bedanke ich mich bei meinen Mitschülern und meiner Klassenlehrerin. Ich weiß, es war keine leichte Zeit: das andauernder Lernen für Klassenarbeiten, das Hausaufgaben machen, so dass wir manchmal keine Zeit für andere Sachen außer Schule hatten, die Referate, die zwar mühsam waren, aber gleichzeitig auch offenbarten, welche Fähigkeiten in uns stecken. Häufig sind wir an unsere Grenzen gekommen, haben fast immer versucht, das Beste herausrauszuholen!

Heute mögen bei der Verabschiedung Tränen geflossen sein, aber es ist auch der Anfang von etwas Neuem. Ich freue mich schon darauf, in zehn Jahren, bei unserem Klassentreffen, die Erinnerung an die Mittelstufe wieder aufleben zu lassen und zu entdecken, wie wir uns alle weiter entwickelt haben.

Transmission over and out

Der letzte Moment

| 01.05.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Gedanken in Auschwitz:

Ob zu alt oder zu jung,
geschickt wurden sie zur Tötung.
Eine ganze Bevölkerung nahezu,
so alt wie ich, so alt wie du.

Hunderte Menschen in einen Raum,
schlimmer als jeder Alptraum.
Aus der Kammer Menschengeschrei,
ihre letzten Sekunden, sie zählen bis drei.

Das letzte Gebet, das letzte Wort,
und dann sind sie für immer fort.
Keiner kam dort lebend raus,
Gas an -  Leben aus.

Ihre Hoffnung war es frei zu sein,
heute liegt auf ihren Gräbern ein Feuerstein.
Wir müssen gedenken, wir müssen verzeihn,
doch so etwas darf nicht nochmal sein.

Wir sollten jeden einzelnen Text schätzen

| 18.04.20151 Kommentar » Klasse

Zeichen für Zeichen, eines nach dem anderen, schreiben wir Buchstaben, Wörter, Sätze, aus denen dann ganze Textseiten, ja sogar ganze Bücher entstehen.

Wir stecken ungeheuer viel Arbeit in diese Zeilen und Absätze. Wir suchen nach den richtigen Wörtern. Mit Vielfalt passen wir sie ein. Wir beugen und steigern sie, ersetzten sie durch andere, damit es besser klingt. Wir streichen Sätze durch, schreiben neue. Wir sind unzufrieden, dass nichts klappt, dass der Text nicht so wird, wie wir ihn gerne hätten. Geben auf und probieren es im nächsten Moment doch noch mal.  Wir experimentieren, probieren aus, sammeln Ideen und Gedanken, lassen uns durch Ereignisse inspirieren.

Was ich sagen will, ist, dass in jedem Text, Gedicht, Buch so viel Mühe und Arbeit drin steckt, dass wir jede einzelne Veröffentlichung schätzen sollten. In unserem Blog gibt es  mittlerweile über 400 Artikel und diese wurden insgesamt über 1000 Mal kommentiert. In diesem Blog sind die schönsten Momente unserer Klasse in Worte gefasst und aufgeschrieben worden. Der Anlass für unseren allerersten Ausflug als Klasse war mit einem Buch namens “Lippels Traum” verbunden. Darauf folgten dann weitere, unzählige Lesungen und Gespräche mit Autoren. Um nur einige von den vielen zu nennen: Katrin Hahnemann (Ghandi), Kate DeGoldi (The 10 PM Question – Abends um zehn Uhr), Lily Lindner, die erst vor kurzen wieder eine Lesung bei uns hatte.  Und wir hatten auch als Gast bei uns die älteste Autorin Deutschlands: Elfriede Brüning, die 103 Jahre alt geworden ist.

Regelmäßig  haben wir das Internationale Literaturfestival Berlin und die Leipziger Buchmesse besucht. So viele Autoren haben uns ihre Werke vorgestellt; deutsche aber auch viele internationale Autoren waren dabei.

Wir haben selber Haikus geschrieben und bei dem Projekt “Schüler machen Zeitung” mitgemacht. Wir haben aber nicht nur geschrieben, wir haben auch das Papier dazu selber hergestellt. In der fünften Klasse besuchten wir dazu das Technische Museum.

Wir waren unzählige Male im Theater. Das von uns meist besuchte  ist das Theater an der Parkaue. Dort hat es mit “Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen” angefangen, gefolgt u.a. von ” Die Brüder Löwenherz”, “Das Fräulein von Scuderi”, “Nichts was im Leben wichtig ist”, Puppet Masters+ Kristallherz, “Kindertransporte”, “Animal Farm” … Da Berlin aber auch noch andere Theater hat, sahen wir uns auch dort Stücke an, zum Beispiel ” Nathan der Weise” im Theater Strahl , “Ab heute heißt du Sara” im Grips Theater,  “Die Schneekönigin” im Friedrichstadt-Palast, “Mutter Courage” im Berliner Ensemble…

Eine Klasse, die so oft das Theater besucht hat, muss auch mal Premierenklasse gewesen sein. Wir waren es nicht nur ein Mal sondern gleich vier Mal. Dazu haben wir an Workshops teilgenommen, die sowohl im Theater als auch in unserem Klassenraum stattfanden. Als  Premierenklasse haben wir uns einen Teil der Proben zum Stück  angesehen und wir sind ins Gespräch mit den Schauspielern gekommen. Manchmal haben wir auch mit dem Regisseur oder den Dramaturgen gesprochen.

Wir haben uns nicht nur Theater angesehen und aus den Theaterworkshops gelernt.  Wir als Klasse haben selber jedes Jahr mit  Hilfe von unserer Klassenlehrerin eine eigene Klassenshow auf die Bühne gebracht. Von Märchen bis Akrobatik war alles schon einmal dabei. Jeder Dialog, jeder Monolog und generell alle Texte waren immer etwas Besonderes.

Im Rückblick sind wir ständig mit Literatur in Berührung gekommen und haben uns mit vielen Werken befasst. Doch noch ist das 10. Schuljahr nicht abgeschlossen und es ist immer noch Zeit, die wir fürs Bücherlesen und Texte schreiben verwenden. Die Auseinandersetzung mit den Büchern “Fahrenheit 451″ und “1984″ haben wir allerdings abgeschlossen, und nun steht auch noch die letzte Klassenshow bevor. Die bereiten wir ziemlich selbstständig vor, und auch da wird es wieder Texte geben – so viel ist mal sicher!

Entscheidungen und Erfahrungen die Grundlage des Handelns

| 15.04.2015Kommentare deaktiviert Klasse

In dem Leben eines Menschen sind Entscheidungen und diese zu treffen nichts Ungewöhnliches. In der Entstehungsphase und kurz nach der Geburt hat man eigentlich noch keine Wahl, wer und was man wann ist; das wird einem von den Eltern und der Natur abgenommen. Je älter man aber wird, desto mehr Entscheidungen kann man selbst treffen. Das liegt nicht nur daran, dass man mehr Verantwortung trägt, sondern auch, dass man immer mehr Erfahrungen sammelt. Aus diesen werden die Entscheidungen bewertet und getroffen. Was sind aber Entscheidungen und Erfahrungen? Sind sie immer real? Kann man Erfahrungen beigebracht bekommen? Woher stammen diese beiden Sachen, die so wichtig sind in unserem Leben?

Am Anfang des Lebens kann man wenig entscheiden, höchstens was man im nächsten Moment macht. Je älter man wird, kommen Sachen dazu wie „Was ziehe ich an?“,  „Was esse ich heute?“ oder  „Welchen Weg gehe ich heute?“. So lange man bei den Eltern wohnt, gibt es immer noch einige Sachen, die von den Eltern entschieden werden. Erst wenn man volljährig das Elternhaus verlässt, hat man die volle Entscheidungskraft. Von nun an kann und muss man alles entscheiden, was bestimmt nicht einfach sein wird.

Wenn man in das Schulalter kommt, ist eine der ersten Entscheidungen, auf welche Schule man geht. Auf der Oberschule dann macht man  in der neunten Klasse ein Praktikum. Das ist vielleicht die erste große Wahl für das zukünftige Leben. Das, was man in dieser Zeit erlebt, kann den ganzen Lauf des Lebens verändern. Diese Erfahrungen beeinflussen die Wahl des späteren Berufes. Der Vorteil ist, dass man weiß, was man möchte bzw. was man nicht möchte. Es kann aber auch sein, dass man denkt, dass ein Job mega cool ist, nur weil man diesen im Praktikum gemacht hat. Manchmal ist dieser aber auch nicht die richtige Wahl gewesen, was man vielleicht erst sehr spät in oder nach der Ausbildung merkt. Dann hat man Schwierigkeiten einen neuen Job zu finden, da man schon älter ist und komplett eine neue Ausbildung machen muss. Zusätzlich weiß man nicht, was man machen möchte, da man ja schon das „Richtige“ hatte. Was soll ich nun machen? Wie kann ich herausfinden, was ich gerne mache? Das sind Fragen, die man sich sicher in solch einer Situation stellt. Oft findet man nach einer Weile des Nachdenkens und Informierens den richtigen Job. Oft hilft auch ein Gespräch mit Lehrern, Eltern und Verwandten. Diese wissen oft sogar besser, was einem Spaß macht und was zu einem passt, denn meistens merkt man es nicht selber.

Erfahrungen sind Lehren, sind Lösungen für Probleme undsie sind positive Erlebnisse. Man zieht aus allem, was man erlebt, seine Erfahrungen. Egal ob es nur das falsche und hektische Zubinden des Schuhes ist und die daraus resultierende Verspätung. Aus wirklich allem kann man seine Schlüsse und Erfahrungen ziehen, aber nur, wenn man dazu bereit ist. Erfahrungen sind immer subjektiv und immer Personen abhängig. Man kann daraus gezogene Schlüsse erlernen, aber nicht die Erfahrung selbst. Also weiß man nicht, wann man das Wissen einsetzen kann, da die Situation nur gering bekannt ist. Erfahrungen kommen aus erlebten Handlungen mit negativem oder positivem Inhalt bzw. Folgen. Erfahrungen bleiben immer gleich. Entscheidungen nicht. Sie können sich immer ändern, selbst wenn die gleiche Situation noch hundert Mal passiert. Man lernt aus den Entscheidungen und entscheidet dann höchstwahrscheinlich beim nächsten Mal anders. Es sei denn, die Entscheidung war vorteilhaft bzw. positiv für einen. Es ist wichtig, Erfahrungen zu sammeln und auch Entscheidungen zu treffen. Nichts ist schlecht, denn man kann aus jedem neuen Fehler lernen und das ist eine neue Erfahrung für bessere Entscheidungen.

Man sollte also niemals auf das Recht zu entscheiden verzichten.

Was bin ich?

| 12.04.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Es ist ein paar Jahre her, da saß ich mit einem Freund im Bus. Es stiegen zwei Männer ein, der eine setzte sich neben meinen Freund, der andere blieb stehen und grinste mich an. Neben mir der Platz war noch frei. „Setz dich doch da hin“, hat der eine Mann gesagt. „Nein, ich will nicht neben der Schwarzen sitzen.“  “Die Schwarze” – das war ich in seinen Augen. Am liebsten hätte ich geschrien.

Ich bin nicht „die Schwarze“! Genau so wenig bin ich „Mulatte“. Wenn ich „Mischling“ genannt werde, muss ich sofort an kleine Hündchen denken. Klar, meine Haare sind krauser als die der Meisten, und meine Haut dunkler (was mir, je älter ich werde, mehr und mehr gefällt), aber ich bin Deutsche. Ich spreche Deutsch, bin hier aufgewachsen, hier fühle ich so etwas wie Heimat.

Ich kenne einige Leute, denen es genauso geht wie mir. Einige sagen, die Bezeichnung „Afrodeutsch“ gefällt ihnen nicht. Als Afrodeutsche werden deutsche Staatsbürger mit afrikanischer Abstammung bezeichnet. Die Wortreihenfolge macht‘s. Sie fühlen sich mehr Deutsch als Afro.
Andere sind genervt von den Vergleichen mit irgendwelchen Lebensmitteln. „Du bist gar nicht schwarz, sondern mehr so Schokolade oder Latte Macchiato.“

Ich bin ich! Tochter  meiner deutschen Mutter und meines ghanaischen Vaters. Für mich ist es ein sehr sensibles Thema. Je älter ich werde, desto weniger empfindlich reagiere ich auf solche Kommentare. Oft ist es sicher nicht böse gemeint, doch egal von wem es kommt, muss ich manchmal schlucken, wenn ich nicht als Deutsche gesehen werden kann.

Wo hören die Gemeinsamkeiten auf, wo fangen die Unterscheidungen an?

Kulturen in Bewegung

| 08.04.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Klasse

Seit es den Menschen gibt, gibt es auch Kulturen. Denn Kultur ist all das, was der Mensch erschafft und was den Menschen prägt. Kultur kann individuell und auch gesellschaftlich und gemeinsam sein, Kultur verbindet Menschen. Jeder Mensch trägt Kultur in sich und entwickelt sie auf eine bestimmte Art und Weise weiter; er selbst ist ein Ergebnis dieser Einflüsse.

Kultur ist ein sehr komplexer Begriff in unserer heutigen Gesellschaft und umfasst eine große Spannweite von verschiedenen Thematiken. Dabei spielt zum Beispiel die Kunst, Technik, Wirtschaft, Religion, Wissenschaft, Musik, Theater, Essen, Kleidung, Traditionen und vorallem die Kommunikation eine bedeutende Rolle. Auf all dies trifft jedes Individuum täglich im Alltag, denn Kultur widerfährt uns in allen möglichen Situationen und es ist unmöglich sie sich wegzudenken. Allerdings spielen nicht nur die Dinge eine Rolle, die wir sehen und wahrnehmen, sondern auch innere Sinne. Dabei sind zum Beispiel ganz wichtig die Werte, Einstellungen, Auffassungen, Bedürfnisse und Gefühle. Ein großer Eisberg ragt einige Meter aus dem Wasser. Man sieht seine weiße, kühle Spitze. Wie stark liegt er unter Wasser verankert? Es sind 85%.

Das, was wir wahrnehmen, was wir im ersten Moment sehen, das ist sehr wichtig und auch prägend für eine Gesellschaft und den einzelnen Menschen. Doch das, was unter dem Meerespiegel liegt, das ist das eigentliche Fundament. Es spielt eine so große Rolle, dass es uns sehr stark in unserem Verhalten und unserer Denkweise prägt. Dies macht aus uns den, der wir heute sind, jedes einzelne Individuum – den Menschen.

Seitdem es Kulturen gibt, gibt es auch schon Assimilation überall auf der Welt. Kulturen verschmelzen ineinander und die Träger der Kultur eignen sich Essgewohnheiten, Sprachen, Musik und andere Dinge an, und natürlich übernehmen sie auch Werte und Einstellungen. Allerdings kommt es leider nicht nur zu Assimilationen, die dazu beisteuern, die Welt offener und sozialer zu machen, sondern leider kommt es auch zum Aussterben von Kulturen.

Die Tasmanier waren ein Volk, das im 19. Jahrhundert auf der Insel Tasmanien siedelte. Schon 1830 gab es etwa nur noch 300 von ihnen und schließlich wurden sie 1869 völlig ausgerottet. Dies geschah durch den Einfluss einer anderen Kultur – der der Briten. Die Briten zwangen sie auch, den christlichen Glauben anzunehmen. Wieso zerstören Menschen Kulturen von anderen Menschen? Wenn doch Kultur dazu beisteuert, dass sich Menschen verbinden. Wieso ist es nicht das Ziel eines Jeden, Kulturen zu pflegen und zu hegen, dass sie nie den Untergang erleben müssen. Denn wenn man eine Kultur tötet, tötet man auch Menschen. Wie soll man ohne seine Kultur weiterleben? Das ist unvorstellbar.

Weit weg von Tasmanien ein anderes Schicksal. In der Nordsee. Auch eine Insel. 1500 Einwohner. Eine eigene Kultur. Dies zeichnet, neben der außergewöhnlichen Sprache des Halunder, die Nordseeinsel Helgoland in Deutschland aus. Diese Insel hat eine sehr bedeutende und prägende Geschichte, wobei Halunder eine wichtige Rolle spielt. Halunder, auch Helgoländer Friesisch genannt, ist ein gutes Beispiel für die inzwischen minimalisierte Kultur, denn die Anzahl der Kulturträger nimmt leider weiter ab. Inzwischen leben immer weniger junge Menschen und viel mehr alte Menschen auf der Insel, was ebenso für das voraussichtliche Aussterben dieser Kultur verantwortlich sein wird. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung spricht heute nur noch Halunder und diese Anzahl wird sich weiter verringern. Man spricht von einer “bedrohten Sprache”. Als Maßnahme dazu, um nicht dem Aussterben der besonderen Kultur einfach nur in die Arme zu laufen, wird an der James-Krüss-Schule auf Helgoland Halunder unterrichtet. Wird dies die Kultur des Helgoländischen noch retten, verbreiten und wachsen lassen?

Ein weiteres Beispiel findet sich während des Zweiten Weltkriegs. Das schrecklich gewollte Ausrotten einer ganzen Kultur, des Judentums, durch Auslöschung ihrer Träger. Die Nazis ermordeten Menschen, weil sie einer bestimmten Kultur angehörten. Juden wurden erst als “schlechte Menschen” angesehen, später  als Untermenschen und dann wurde ihnen das Mensch-Sein überhaupt abgesprochen. Sie wurden entmenscht…

Was ist an einer Kultur besser als an einer anderen? Wer entscheidet, welche Kultur gut oder schlecht ist? Wer sieht sich dazu in der Lage, und wer hat das Recht, darüber  zu urteilen? Niemand, eindeutig niemand. Die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs haben uns Menschen deutlich in unserer ethisch-moralischen Entwicklung zurückgeworfen. Auch heute passieren noch vergleichbare Dinge auf der welt. Wie kann es sein, dass ein Mensch diskriminiert wird für seinen Glauben, seine Gedanken und seine Werte, wenn wir doch alle das Recht auf eine freie Meinung haben? Wie kann es sein, dass ein Mensch auf Grund seiner Nationalität benachteiligt wird? Wir alle sind Menschen, Menschen aus dem selben Gestein, und  das wird von vielen von uns oft ausgeblendet. Wir sind alle Menschen, so unterschiedlich und individuell, doch gerade das macht uns doch aus und gerade das macht das Aufeinandertreffen zweier Menschen und Kulturträger doch so interessant! Ist es nicht etwas Tolles, wenn aus zwei verschiedenen Kulturen eine ganz neue entsteht? Macht dies nicht unsere heutige Gesellschaft aus, dieses Multikulturelle?

Kulturen verschmelzen, Kulturen entstehen, Kulturen bilden sich aus und brechen alle Grenzen, in unseren Köpfen, Herzen und Seelen. Die Dinge durch andere Augen zu sehen und vielleicht festzustellen, dass ich die Welt nun bunter sehe… Ist das nicht etwas Schönes?

Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

| 04.04.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Auschwitz. Wenn ich dieses Wort höre, kommen mir sofort Bilder von dem Konzentrationlager in den Kopf -  von überfüllten Transportzügen, von Gepäckhaufen und leidenden Menschen. Bis vor ein paar Wochen wusste ich nicht, dass diesen Namen eine ganze Stadt trägt. Oświęcim ist eine polnische Kleinstadt mit einer Fläche von 30 Quadratkilometern und rund 40 000 Einwohnern. Jedes Jahr gibt es das Festival of Life, um zu zeigen, dass Oświęcim mehr ist als nur der Ort des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers. An Wänden in der Innenstadt sind Sprüche wie “Antisemitismus ist eine Sünde”.

Im Auschwitz-Stammlager gibt es einen Ausstellungsraum mit Büchern, in denen die Namen der im KZ ermordeten identifizierten Menschen stehen. Unser Seminarleiter forderte uns auf, mal nach den Namen von berühmten Personen oder nach unseren eigenen Namen zu gucken. Den Nachnamen Westermann gab es zehn Mal. Von dem Nachnamen meines Vaters, also Grossmann, gab es 11 ganze Seiten. Das war ein Schock für mich! Obwohl ich keinen der Verstorbenen persönlich kannte! Es war einfach diese Erkenntnis, dass es auch meinen Großvater oder meine Großonkel hätte treffen können. Diese Erkenntnis, dass es mich dann vielleicht gar nicht geben würde!

In einem anderen Raum wurden Kinderzeichnungen gezeigt. Diese Kinderzeichnungen waren an die Wand und in die Fensterrahmen gemalt. Manchmal musste man richtig suchen, um einige zu entdecken. Die Zeichnungen sind auf Augenhöhe der Kinder. Viele Zeichnungen zeigen sterbende Menschen oder Männer mit Gewehren. Auf mindestens der Hälfte der Bilder aber sind Vögel. Vögel, die einfach wegfliegen können, zurück nach Hause oder einfach in die Freiheit… In diesem Raum kam mir auch in den Sinn, dass kein Mensch als Rassist, Faschist oder Nationalist geboren wird.

Auch noch heute, 70 Jahre später, sind die Auswirkungen des Nationalsozialismus in manchen Gegenden immer noch zu spüren. In Krakau zum Beispiel, wo früher ein großes jüdisches Viertel war, leben  jetzt keine orthodoxen Juden mehr. Es ist auch fast unmöglich, sich in Krakau koscher zu ernähren. Oder auch in Oświęcim, wo vor kurzem der letzte Mensch jüdischen Glaubens gestorben ist. In einem Ort, wo davor 60% der Bevölkerung jüdisch war! Es wurde, von Hitler und den Nazis, versucht, eine ganze Kultur auszulöschen und in manchen Orten ist ihnen dieser undenkbare Akt anscheinend auch gelungen. Sie haben es zwar nicht “geschafft”, alle umzubringen, aber allein durch die unmenschliche Behandlung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern, die ich mir noch nicht mal im Albtraum vorstellen kann, haben sie es geschafft, dass auch die wenigen Überlebenden einfach nicht mehr nach Hause wollten. Sie haben den Menschen ihre Heimat genommen, ihre Familien, ihren Frieden und noch so viel mehr.

Zum Glück gab es einige Menschen, die noch für sich selbst denken konnten. Diese Menschen haben geholfen, durch kleine Taten, wie zum Beispiel etwas Geld absichtlich fallen lassen oder auch eine Zigarettenpackung schenken, womit sich der Beschenkte durchs Verkaufen  über Wasser gehalten hat, aber auch durch die großen “Heldentaten”, wie einen Juden bei sich zuhause verstecken oder wie Schindler über 1000 Menschen retten. Ich weiß nicht, ob ich den Mut gehabt hätte, auch nur irgendwas zu tun, wenn ich wüsste, dass ich dadurch bestraft werden könnte. Natürlich hoffe ich, dass ich wenigstens alle Menschen als gleichwertig gesehen hätte. Aber wer weiß schon, was passiert wäre…
Eigentlich bin ich heute, auch wenn das ein sehr egoistischer Gedanke ist, nur froh, dass meiner Familie nichts allzu Schreckliches passiert ist. Mein Opa leidet auch immer noch unter seinen Kriegserfahrungen. Er wirft zum Beispiel nie Essen weg. Alles, was nicht geschafft wurde, wird eben später nochmal aufgetischt und jede Schüssel bis auf den letztenTropfen ausgelöffelt. Mein Opa hat ein extrem gutes Gedächtnis, was er, glaube ich, manchmal auch einfach lieber nicht hätte. Er sagt, dass er noch die ganzen Lieder auswendig weiß, die er in der Hitlerjugend gezwungen wurde zu singen.

Ich denke, unser Aufenthalt in Auschwitz hat mir einiges über die Menschen gezeigt. Wie einige unter derartigen unmenschlichen Bedingungen selber zum Täter wurden, weil dann nur noch das Gesetzt des Dschungels gilt und man nur daran denkt, selber zu überleben. Aber wie andere wiederum so viel Mut und Herz hatten und auch noch anderen geholfen haben. Das hat schon bei der Selektion am Bahnhof angefangen, wo Einigen das Leben gerettet wurde, weil ein anderer Häftling ihnen zuflüsterte, sie sollten behaupten schon 16 Jahre alt zu sein.

Ich habe diese Vergangenheit nicht miterlebt. Ich habe aber den größten Respekt vor den Menschen, die trotz so einer Vergangenheit weiter machen konnten und auch noch anderen ihre Lebensgeschichte erzählen. Wir haben viele Zeitzeugen getroffen, und ich denke auch, dass das notwenig war. Es ist unsere Geschichte, die von Deutschland, und man kann einfach nicht genug verstehen, wenn man alles nur in Büchern liest. Im Geschichtsunterricht ist die Zeit des Nationalsozialismus so weit weg. Erst durch den Besuch im Stammlager Auschwitz und in Auschwitz-Birkenau kann ich mir nun alles ein ganz klein wenig vorstellen.

Zeiten ändern sich, Menschen nicht

| 27.03.2015Kommentare deaktiviert Klasse

Schon immer sind wir Menschen Wesen, die sich selbst am meisten am Herzen liegen. Vielleicht geben wir es nicht gerne zu, aber wir würden alles tun, um unser eigenes Wohl zu sichern. Natürlich gibt es die Nächstenliebe, doch der Egoismus ist in unserem Unterbewusstsein schon immer die stärkere Seite. Personen, die anderen helfen und dabei keinen geldwerten Vorteil daraus ziehen, sollten von uns respektiert, bewundert und zum Vorbild genommen werden.

Im 20. Jahrhundert, zur Zeit des Nationalsozialismus, hat es eine Gruppe von meiner Meinung nach von Hass zerrissenen Menschen mit einer ziemlich cleveren Führung geschafft, so ziemlich die ganze Bevölkerung Deutschlands zu blenden. 15 Jahre vor der „Machtergreifung” Hitlers ging der 1. Weltkrieg für die Deutschen mit einer klaren Niederlage zu Ende. Enttäuschung und Wut darüber staute sich in zwei,drei Generationen, und hinhalten musste nicht, wie man denken würde, wenn man es nicht besser wüsste, der, der die Deutschen in den 1. Weltkrieg reingeritten hatte, sondern ein Sündenbock, dem die Schuld an der Niederlage zugeschoben wurde. Eine ganze ethnische Gruppe musste dafür hinhalten. Egal wie sehr wir es verleugnen, wir suchen uns gerne Sündenböcke und werden es immer tun; der Unterschied liegt nur im Ausmaß des Leids, das wir aus Kleinheit und ähnlich billigen Beweggründen anderen zufügen.

Die Ausmaße des Leidens unter Hitler sind unvorstellbar. Teilgenommen an der Vernichtung der Juden haben viele, doch zugeschaut hat die ganze Bevölkerung. 1,5 Millionen Menschen ließen alleine in Ausschwitz ihr Leben. Das deutsche Konzentrationslager Auschwitz – ein Ort in Polen. Im Sommer brennende Sonne und im Winter eisige Kälte. Kein Ort, an dem man gerne unter unmenschlichsten Bedingungen zu harter Arbeit gezwungen wird. Heute ist das Lager ein Museum, welches jeder mindestens einmal gesehen haben sollte. Berge von Dingen, die die Deportierten mitnahmen- Bürsten, Prothesen, alle möglichen Alltagsgegenstände, Tonnen von menschlichem Haar kann man dort betrachten… und obendrauf kriegt jeder ein kostenloses Gefühlschaos. Zwischen Verständnislosigkeit und Trauer ist da ganz klar der Hass und die Wut auf die Täter!  Heute zeigt man mit dem Finger auf diesen einen Mann, doch wer ein wenig nachdenkt, merkt schnell, dass kein Mensch auf dieser Welt so ein Ausmaß des Schreckens alleine erschaffen kann. Adolf Hitler, seine Parteigenossen und die vielen Mitläufer sind in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern nicht nur ihrem Ziel nach einem judenfreien Europa viel zu nahe gekommen, sondern sie haben sich außerdem auf ewig einen Platz in den Geschichtsbüchern dieser Welt gesichert. Hitler war der Anführer und das Gesicht der NSDAP, und mit Sicherheit war er nicht ganz klar im Kopf, aber im Endeffekt hat er es geschafft von der deutschen Bevölkerung gewählt und bewundert zu werden. Am Ende sind es also unsere Vorfahren, die die Schuld tragen. Sie haben die faschistische Politik unterstützt, zu mindestens aber akzeptiert und sie hatten nicht den Mut oder das Bedürfnis einzugreifen. Sie haben lieber aus der sicheren Ferne zugeschaut…

Jeder denkt an sich und kämpft für sich; schließlich ist es das, was wir schon immer am besten können.
In der Dystopie “1984″ von George Orwell spielt dieses Thema ebenfalls eine große Rolle, bloß dass das Kämpfen nicht im Sinne von Kampf eine Rolle spielt, sondern als Ankämpfen gegen die eigenen Gedanken. In dem Zukunftsroman kontrolliert die Regierung die Bevölkerung durch komplette Überwachung. Alle sind darauf aus, den von der Regierung erfundenen “großen Bruder” zu lieben und ihm zu dienen. Jeder verrät jeden, sogar Kinder die eigenen Eltern, um an einen vermeintlichen Vorteil gegenüber anderen zu gelangen. Überall gibt es die sogenannten Teleschirme, durch welche die Überwacher dich sehen und dir Kommandos geben können. Nicht nur auf der Arbeit oder zu Hause kann man nichts tun, ohne dabei beobachtet zu werden. Selbst die Gedanken sind nirgendwo, nicht einmal vor einem selber, sicher. Und wenn man nicht einmal das Recht zu denken hat, kann man sein Leben dann noch Leben nennen? Im Film “1984″, der 36 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans erschien, kommt dieser Aspekt meiner Meinung nach zu kurz. Natürlich ist es nicht möglich, einen Film zu produzieren, der das ganze Buch zeigt, aber ein literarisch so wertvolles Buch kann man, so finde ich, auch nicht in 100 Minuten zwängen. Die Handlung der Dystopie findet in London statt. Der Hauptprotagonist ist ein 39- jähriger Mann namens Winston Smith. Er traut der Regierung nicht und bricht Gesetze, wofür er später die schlimmstmögliche Folter erleiden muss. An geheimen Orten trifft er sich mit einem jungen Mädchen, um mit ihr zu schlafen. Er ist es leid, unter einem totalitären Überwachungsregime zu leben. Schließlich werden die beiden erwischt und gefoltert. Dabei verrät sie ihn schnell, er aber hält lange durch. Als aber vor ihm sein schlimmster Albtraum wahr wird, gibt er auf, wobei ihm schließlich völlig egal ist, was mit dem Mädchen passiert.

Wir haben das Glück, in einer Demokratie zu leben, das mit Abstand fairste bekannte System. Es baut auf Vertrauen und Zusammenhalt auf. Jeder hat die gleichen Rechte, aber gleichzeitig auch mindestens die Verpflichtung die Regierung zu wählen. Gerade wir hier in Deutschland sollten das Recht uns demokratisch zu beteiligen zu schätzen wissen und es in Anspruch nehmen und  bewahren, damit auch unsere Nachfahren weiterhin in einer Gesellschaft leben können, in der jeder die Möglichkeit hat, etwas zu verändern. Dennoch wird es immer Menschen geben, die  versuchen werden, das System für ihre Zwecke zu manipulieren, denn wir vertrauen gerne und ebenso gerne nutzen wir das Vertrauen anderer aus. Deshalb befürchte ich, dass das System vielleicht nicht heute und vielleicht auch nicht morgen, aber  irgendwann zu Fall geht.

Was können wir tun?

| 25.03.2015Kommentare deaktiviert Interessantes, Klasse, Veranstaltungen

„Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.” Dieser Talmudspruch wurde Oskar Schindler in Form von einem aus Zahngold gemachten Ring von den von ihm geretteten Juden geschenkt. Man kann über Oskar Schindler sagen, was man möchte, aber eins steht fest: Er hat Menschenleben gerettet. Wie viele Menschen leben heute dank Oskar Schindler?

Einer ist auf jeden Fall der Fotograf Ryzsard Horowitz. Er gehört zu den jüngsten Auschwitz-Überlebenden. Heute ist er ein berühmter Fotograf, der in den USA lebt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Diese Kinder sind wieder zwei Menschen mehr, denen Oskar Schindlers Einsatz das Leben ermöglichte. Sie gehören zur nächsten Generation der Auschwitz-Überlebenden. Sie sind Teil der nächsten Generation. Sie müssen uns helfen, einen erneuten Ausbruch von Faschismus, Rassendiskriminierung und Verfolgung zu verhindern. Wie David Salz, ebenfalls ein Überlebender, schon sagte: „Never again!” Auch er hat Familie, die irgendwann die Rolle der Zeitzeugen übernehmen wird. Doch wir können nicht alle Verantwortung auf die Opfer abwälzen, auch wir müssen etwas tun. Es bleibt die Frage: Was können wir tun?

Zuallererst müssen wir den Überlebenden zuhören. Wir müssen uns mit der Geschichte auseinandersetzen. Es reicht nicht, im Geschichtsunterricht aufzupassen. Wir müssen das Gespräch mit den Zeitzeugen suchen. Wir werden vermutlich die letzte Generation sein, die dazu die Möglichkeit hat. Wir müssen die Geschichten weitertragen, um alle darauf aufmerksam zu machen.

Wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst werden. Wir müssen nicht mit gesenktem Kopf durch die Straßen gehen, weil wir die Nachkommen der Täter sind. Wir müssen uns nicht schämen, Deutsche zu sein. Wir müssen uns für das, was damals passiert ist, nicht schuldig fühlen, denn wir waren nicht dabei, wir waren nicht einmal geboren! Das, wofür wir uns verantwortlich fühlen sollten, ist die Gegenwart und vor allem die Zukunft. Es liegt in unserer Hand, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Wir können entscheiden, ob wir neue Menschen in unsere Gesellschaft aufnehmen oder ob wir die Menschen respektieren, die schon Teil der Gemeinschaft sind.

Diskriminierung und Verfolgung dürfen nie wieder einen Platz in Deutschland finden. Deshalb müssen wir anfangen, uns gegen alle Versuche der Wiederbelebung von Rassendiskriminierung  und gegen Ausgrenzungen zu wehren. Hören wir auf, die Asylanten abzuschieben oder uns aufzuregen, wenn ein Containerdorf für eben diese in unserer Nachbarschaft gebaut wird. Fangen wir dagegen an, die Menschen auf der Flucht willkommen zu heißen in unserem Land. Helfen wir ihnen, sich zu integrieren, ohne dass sie ihre Kultur aufzugeben haben. Arbeiten wir an einem friedlichen Zusammenleben, denn dessen Gelingen liegt in unseren Händen.

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